WISSENSHUNGER : Gesunde Nüsse aus Australien

Kai Kupferschmidt .

Australien ist ein guter Ort zum Sterben, auch wenn man das nicht vorhat. Der Kontinent beherbergt acht der zehn giftigsten Schlangenarten. An den Küsten warten Krokodile und Haie auf törichte Touristen. Wer auf die falsche Qualle tritt, bekommt winzige Projektile in die Fußsohle geschossen, die genug Gift in den Körper pumpen, um einen voll besetzten A380 um die Ecke zu bringen. Und in den Regenwäldern im Norden leben Kasuare, faszinierende Laufvögel, die mit messerscharfen Krallen schon einmal besonders wagemutige Wanderer ausweiden können. Kurz: Für die ersten Siedler gab es einiges zu entdecken.

Während die australische Fauna ihre Diät mit Europäern anreicherte, gab es für die Neuankömmlinge im Gegenzug wenig Nahrhaftes zu entdecken. Die Pflanzenwelt war karg, Mutter Natur schien sich in Australien vor allem als Giftmischerin betätigt zu haben. Aus Amerika brachten die Entdecker Mais, Kartoffel und Kakao mit. Orange, Gurke und Apfel verdankt die Menschheit Asien, Wassermelonen, Senf und Gartensalat Afrika und Kirsche, Himbeere und Rettich kommen aus Europa. Aber fällt Ihnen eine einzige Frucht ein, die aus Australien kommt? Tatsächlich hat es nur eine einzige Nutzpflanze von diesem riesigen Kontinent auf den Speiseplan der Weltbevölkerung geschafft: die Macadamianuss.

Dafür gibt es zwei wichtige Gründe: Zum einen wurde Australien von den Europäern spät entdeckt. Als Cook 1770 in Botany Bay einsegelte, waren Pflanzen aus allen anderen Gegenden der Erde bereits migriert, kultiviert, etabliert. „Hinzu kommt, dass die Aborigines als Jäger und Sammler lebten, es in Australien keinen Ackerbau gab und keine Kulturpflanzen, die die Europäer übernehmen konnten“, sagt Tim Low, Experte für australische Arten in Brisbane.

Die Ureinwohner kultivierten zwar keine Bäume, Sträucher oder Gräser, aber sie lebten von den Früchten des Landes. Und ernährten sich auch von Macadamianüssen. Der westlichen Welt wurde die Nuss erst bekannt, als der deutschstämmige Botaniker Ferdinand von Müller sie 1858 beschrieb und nach seinem Freund John Macadam benannte. Heute werden die Nüsse auch in Hawaii, Südafrika, Kenia, Guatemala und Brasilien angebaut. Während Australien sich seit Hunderten von Jahren mit eingeschleppten Tieren und Pflanzen herumplagt, ist die Macadamianuss also das seltene Beispiel einer australischen Pflanze, die es in den Rest der Welt geschafft hat.

Die Nuss hat erstaunliche Eigenschaften. Mit etwa 75 Prozent ist es die Nuss mit dem höchsten Fettgehalt. Trotzdem senken Macadamianüsse den Cholesterinspiegel im Blut. Das ist keine Besonderheit dieser Art. Seit eine Studie 1992 erstmals zeigte, dass Nüsse vor Herzkreislauferkrankungen schützen können, haben zahllose Forscher den Effekt bestätigt. Möglicherweise liegt es an der Art der Fettsäuren, die in Nüssen vorkommen. Möglicherweise sind aber auch andere Inhaltsstoffe ursächlich.

In jedem Fall gehören Nüsse heute zu den Lebensmittel, die Ernährungsexperten empfehlen, um das Risiko von Herzkreislauferkrankungen zu senken. Und was einst als magere Ausbeute eines kargen Kontinents erschien, ist heute eine begehrte Beilage.

Autor

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar