Zeitung Heute : Witz komm’ raus . . .

Der Tagesspiegel

Von Barbara Nolte

Der Neue ist in allen Zeitungen – dabei ist er erst drei Tage im Amt. Markus Schächter, seit vergangenen Freitag ZDF-Intendant, hat Veränderungen bei „Wetten, dass . . .?“ angekündigt. Ein Aufregerthema – spätestens jetzt wird ihm das klar sein. Gottschalk, sagte er in einem Interview, habe es „unheimlich schwer“, wo doch heute „zehn Comedy-Sendungen mit 100 Pointenschreibern“ die Fernsehlandschaft abgrasten. Sein Plan: „Die „Wetten, dass…?“-Redaktion wird sich nach kompetenten Autoren umschauen.“ Gottschalks Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Sie fiel knapp aus: „Ich brauche keine Witzeschreiber.“ Er wählte nicht das persönliche Gespräch mit Schächter, sondern die „Bild“-Zeitung. Die Einschaltquoten, sagte er in dem Boulevard-Blatt noch, würden ihm Recht geben.

Tatsächlich ist „Wetten, dass …?“ nach wie vor Deutschlands erfolgreichste Sendung. Erst bei der letzten Show Anfang März in Leipzig hat Thomas Gottschalk wieder seinen eigenen Quotenrekord 2002 überboten: 14,54 Millionen sahen zu. Was aber auch stimmt, ist, dass es immer häufiger Kritik gibt. „Die Welt“ bemängelte „das zähe Geplauder“, die „Frankfurter Rundschau“ nannte Gottschalks Moderation „desaströs“. Und die „B.Z.“ fragte: „Wetten, dass es so nicht weitergeht?“

Was war passiert? Zum Beispiel, dass sich Gottschalk einmal Deutschlands Luder auf die Couch geladen hatte. Geschmacklos, fanden die Kritiker. Auch sei er im deutschen Tagesgeschehen nicht mehr auf dem Laufenden: Die Eisschnelläuferin Anni Friesinger nannte er in der März-Show „Wiesinger“.

Wahrscheinlich fällt Letzteres unter „pointierte Informationen“. Mit denen sollen neue Autoren Thomas Gottschalk nämlich künftig versorgen, wie ZDF-Specher Walter Kehr gestern erklärte. Schon in der Sommerpause würden sie eingestellt. Gottschalk selbst habe den Wunsch nach „redaktioneller Zuarbeit“ geäußert. Intendant und Entertainer hätten sich schon häufig darüber unterhalten. „Die beiden sind sich völlig einig“, sagt Kehr. Der Konflikt sei „eine Zeitungsgeschichte, mehr nicht“. Thomas Gottschalks scharfe Antwort sei nur zu Stande gekommen, weil ein Reporter ihm fälschlicherweise gesagt habe, dass das ZDF seine Sendung langweilig fände: „Da hat er sich natürlich heftig gewehrt.“ Schächter selbst war den ganzen gestrigen Tag nicht zu sprechen. Kehr: „Er ist auf Sitzungen.“ Thomas Gottschalk und „Wetten, dass. . .?“-Produzent Viktor Worms waren, wie es eine Mitarbeiterin ihrer Firma Dolce Media ausdrückte, „booked“. Über dpa wiesen beide Seiten aber Gerüchte über „Zoff“ („Bild“) zurück. Schächter bekräftigte: „Es gibt nichts, was uns auseinander brächte.“

Ein Streit mit dem größten Star als Einstand – der Kommentar von Hans-Hermann Tiedje, dem Medienberater und früheren Redaktionsleiter von Gottschalks Late Night Show, zeigt die Gefahr auf, in die sich Schächter begibt. „Das ZDF“, sagt Tiedje, „hat andere Probleme, als Gagschreiber für Gottschalk zu suchen.“

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