Zeitung Heute : WM-Festival rund um den Ku’damm geplant

Der Breitscheidplatz soll ab 9. Juni zum „Fußballplatz der Nationen“ werden

Harald Olkus

„In der City-West muss zur Fußballweltmeisterschaft etwas passieren“, sagt der Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler. Schließlich finde die WM ja eigentlich in Charlottenburg-Wilmersdorf statt: Das Endspiel im Olympiastadion, das Training der Nationalmannschaft im Mommsenstadion, deren Mannschaftsunterkünfte sind in Grunewald und die FIFA hat ihre Zentrale im Hotel Interkonti. „Dann müssen wir hier auch feiern“, sagt Gröhler. Jedenfalls wird es während der WM an vielen Orten der Stadt große Veranstaltungen geben: Geplant sind ein Fan-Park am Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof, Großleinwände vor dem Reichstag und im Sony Center, ein Pop.Kick-Festival im Treptower Park und die FIFA-Fanmeile vor dem Brandenburger Tor. Da will der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nicht zurückstehen.

Das Bezirksamt beauftragte die Agentur „insglück“ mit Sitz in Berlin-Mitte, in der Linienstraße, mit der Organisation einer großen Party am Kurfürstendamm. Die aus 20 Mitbewerbern ausgewählte Agentur hatte im vergangenen Jahr die Eröffnung des Stadions von Borussia Mönchen Gladbach organisiert.

Detlef Wintzen, der Geschäftsführer der Agentur, stellte vorige Woche den Geschäftsleuten der City-West sein Programm vor: Im „urbanen Herzen Berlins“ soll in Zusammenarbeit mit der AG-City ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt werden. Unter dem Titel „WM-Shopping-Festival“ soll die Möglichkeit, die Fußballspiele auf großer Leinwand zu sehen, mit Kultur, Unterhaltung und Shopping verbunden werden. Pro Tag rechnet die Agentur mit bis zu 30 000 Menschen. Geöffnet sein wird das Spektakel von morgens 9 Uhr bis Mitternacht.

Der Breitscheidplatz wird – nach den Plänen von „insglück“ – zum „Fußballplatz der Nationen“ und soll zum Fest komplett mit Kunst- und Rollrasen ausgelegt werden. Die Bürgersteige am Kurfürstendamm und der Tauentzienstraße zwischen Joachimstaler und Nürnberger Straße sollen ebenfalls mit einbezogen werden. Auf dem Platz selbst werden 32 Ecken – entsprechend den 32 an der WM teilnehmenden Fußballmannschaften – mit großen Landesfahnen aufgebaut. Der Wasserklops könne eventuell als großer Fußball verkleidet werden. Daneben soll ein „Café Global“ die Gastronomie am Breitscheidplatz ergänzen. An jedem Ende wird es eine Bühne geben, die wie ein Fußball-Tor gestaltet ist. Hier werden Musik- und Kulturveranstaltungen geboten, und auf den LED-Wänden können die Besucher den WM-Fußballspielen zusehen. An den spielfreien Tagen ist ein Pop und Kulturprogramm geplant.

In Sport-Events wie Beach-Fußball sollen sich die Besucher auch selbst bewegen. Wer genug davon hat, kann sich in einer Erholungszone mit Liegestühlen ausruhen. Die Stände werden aussehen wie Trainerbänke, auf denen sich beispielsweise Hennes Weisweiler als Pappfigur in Lebensgröße fürs WM-Fotoalbum anbietet.

Wintzen warb für sein Programm und meinte, dass die anliegenden Geschäftsleute sicherlich davon profitierten.

Die Geschäftsleute kritisieren, dass die Agentur die Planung ohne ihre Mitwirkung durchgeführt habe und sie bislang nicht das Gefühl hätten, an der Gestaltung beteiligt zu werden. Eigene Veranstaltungen, welche die Geschäftsleute in ihren Räumen stattfinden lassen, würden nur gegen Entgelt – nämlich der Schaltung von Anzeigen in dem geplanten WM-Shopping-Magazin oder durch Buchung von Durchsagen auf den Bühnen – eine Öffentlichkeit finden. Die Agentur kontert, dass sie schließlich die 2,5 Millionen teure Dauerveranstaltung finanzieren müsse und keine öffentlichen Zuschüsse erhalte. Die Preise für Anzeigen und Durchsagen seien „maßvoll“ und darüber hinaus würden die Anrainer bei der Aufnahme ins Programmheft und bei der Vergabe von Werbeflächen bevorzugt behandelt.

Doch zunächst müssen die Bauarbeiten auf dem Breitscheidplatz rechtzeitig beendet werden. Durch die lange Frostperiode hätten sich diese verzögert. Er sei aber zuversichtlich, dass alles planmäßig klappen würde, meint Baustadtrat Gröhler, allerdings werde es jetzt wohl etwas teurer werden.

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