Zeitung Heute : WM-Quartierbei der Tante in Berlin

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Sie kommen aus der ganzen Welt, halten ihre Fähnchen in den Wind und klopfen sich stolz aufs Landeswappen. Hier stellen wir Fußballpilger vor, die loszogen, um nah dran zu sein.

Viele Teams sind mittlerweile wieder nach Hause geflogen. Manche haben sich gar nicht erst qualifiziert. So wie die Nationalelf Georgiens, die in der Qualifikation zur WM in ihrer Gruppe über den sechsten Platz nicht hinausgekommen. Kachi Mrelaschwili ist das ziemlich egal. Er kommt aus Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, und hat trotzdem für die WM erstmals in seinem Leben seine Heimat verlassen. Für die vier Wochen wohnt er bei seiner Tante in Berlin. Tickets für Spiele hat der 14-Jährige nicht, kennt aber inzwischen so ziemlich jeden Freiluftplatz in der Stadt, an dem sich WM-Stimmung genießen lässt: „Das ist besonders toll, die Fans sind gut gelaunt, die Stimmung ist super“, schwärmt Kachi. Bis vor kurzem hat er in Georgien eine Fußballschule besucht und häufig trainiert, inzwischen aber haben Schule, Unterricht und Hausaufgaben Vorrang – und selbst in Berlin besucht er jeden Tag einen Intensivkurs Deutsch der Volkshochschule. Bei so viel trockenem Stoff braucht es allerdings einen angemessenen Ausgleich: Kurzerhand hat sich Kachi der Jugendmannschaft des SV Empor angeschlossen und trainiert dreimal pro Woche im Jahn-Sportpark: „Das Training macht Spaß, wir machen sehr viel mit dem Ball und spielen viel“, freut er sich. Im letzten Trainingsspiel hat er als Stürmer mal eben vier Buden gemacht, die Nachwuchshoffnung bleibt aber bescheiden: „Fußballprofi, ach, das wollte ich früher mal werden, jetzt überlege ich mir was anderes“, sagt er. Erst mal gilt es sowieso noch, die WM zu genießen. Bis zum Ende des Turniers bleibt Kachi noch in Berlin – und verteilt seine Faninteressen dabei geschickt auf Deutschland, Brasilien, Argentinien und die Ukraine. Erfolg garantiert. Auch ohne georgische Nationalelf.

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