Zeitung Heute : Wo Bakterien und Pilze frei schweben Forscher entwickeln neuen Test für organische Stäube in Viehställen

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In Viehställen ist immer Bewegung: Tiere werden gefüttert, ausgemistet, gewogen und taxiert. Ständig schwebt ein organischer Staubcocktail durch die Luft, in dem sich unter anderem Bakterien, Schimmelpilzsporen und tierische Proteine befinden. Diese bioaktiven Aerosole können, wenn sie eingeatmet werden, beim Personal und bei den Tieren Entzündungen auslösen, vor allem in den Bronchien und der Lunge. Auch Allergien gehen darauf zurück. Da die Staubpartikel bis in die Nachbarschaft der Ställe gelangen, können sie sogar Anwohner beeinträchtigen.

Um die gesundheitlichen Risiken genauer als bisher zu beurteilen, entwickelten Bert Zucker und Wolfgang Müller vom Institut für Tier- und Umwelthygiene der FU einen neuen Test. Dabei machten sie sich spezielle Eigenschaften von Makrophagen zunutze. Diese Zellen sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. Sie kommen sowohl in den Atemwegen als auch im Blut vor. Bei dem Test werden Bioaerosolpartikel in Blutproben von Menschen oder Nutztieren gegeben. Sobald die Makrophagen Kontakt mit den Partikeln haben, schütten sie Botenstoffe aus, um die Entzündungsprozesse zu steuern. So misst dieser Vollbluttest genau die immunologischen Reaktionen, die durch eingeatmete Bioaerosole ausgelöst werden.

Mit dem bisher verfügbaren Limulus-Test lassen sich lediglich Bestandteile bestimmter Bakterien (Endotoxine) nachweisen. Der von den FU-Wissenschaftlern in Kooperation mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und dem Lehrstuhl für Biochemische Pharmakologie der Universität Konstanz entwickelte Vollbluttest kommt der Realität wesentlich näher. Jetzt können alle wichtigen Bestandteile der Stallluft auf ihr entzündungsauslösendes Potential getestet werden. Zusätzlich erwarten die Forscher, dass, wie bei einem Allergietest, die persönliche Empfindlichkeit gegenüber einzelnen Bioaerosolpartikeln festgestellt werden kann. Im Moment laufen Untersuchungen zur Optimierung der Testdurchführung. Bert Zucker schätzt, dass der Vollbluttest in etwa zwei Jahren routinemäßig einsetzbar ist. Matthias Manych

Informationen: Dr. Bert Zucker, Institut für Tier- und Umwelthygiene der Freien Universität Berlin, Luisenstraße 56, 10117 Berlin, Telefon: 030/2093-6324, E-Mail: bert.zucker@freenet.de

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