Zeitung Heute : Wo der Oliver immer spielen geht Helmut Schümannn besucht die Hotspots in München

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Im P 1 ist Deutschland ganz unten. Selbstverständlich muss man auf dieser Deutschlandreise auch nach München. München ist schließlich die Hauptstadt des deutschen Fußballs. Und das P 1 ist der Kindergarten der hauptstädtischen Fußballer. Hier geht der Oliver spielen. Um ins P 1 zu kommen, muss man entweder sehr jung sein und Mädchen, oder prominent, oder betucht, oder irgendwie aussehen. Wir sind erst einmal ins Schumann’s gegangen, einem anderen Hotspot in München.

Im Schumann’s sind aber Fußballer nur selten zu treffen. Dafür war Benjamin von Stuckrad-Barre da, was auch nicht schön ist. Auf ins P 1, wie kommt man rein? Wir waren zu dritt, zwei Männer, eine Frau, alle nicht mehr jung, keiner prominent, niemand betucht, weiß Gott nicht. Einer trug einen Stockschirm unter dem Arm, die Frau einen Strauß Rosen, der zweite Mann zwei Bücher. Man kann sagen, die kleine Gruppe sah irgendwie literarisch aus. Der Türsteher sah aus, als wisse er nicht, was literarisch ist. ,Ah, Künstler‘, dachte er wahrscheinlich, und ,oh, hatten wir schon lange nicht mehr‘. Er ließ uns rein.

Im P 1 sitzen viele ältere Männer mit ihren Enkelinnen rum. Erstaunlich ist aber, dass sich die Opas und die Enkelinnen nichts zu erzählen haben. Sie sitzen da nur rum und nippen an ihren Cocktails. Dann legt der Opa der Kleinen die Hand aufs Knie, und dann lacht die Kleine. Es ist schon merkwürdig, was Oliver und einige andere hauptstädtische Fußballer immer wieder ins P 1 zieht.

Wenn man im P 1 auf die Toilette muss, benutzt Mann einen Eingang auf dem „Buben“ steht. Das ist originell. Über dem Urinal ist auf Augenhöhe eine Art Fototapete angebracht. Auf der Tapete sind nackte Frauenbrüste zu sehen und nackte Frauenbeine, aber in Schwarz-Weiß, wegen des künstlerischen Anspruchs. Als die Frau von der Toilettenästhetik erfuhr, sagte sie: „Upps, da muss ich doch mal schnell bei uns nachschauen.“ Für Frauen steht „Mädchen“ auf der Tür, auch sehr originell. Sie kam dann enttäuscht zurück. Sonst gibt es im P 1 nichts zu sehen. Es ist sehr voll. Die kleine Gruppe hat ein Bitter Lemon getrunken, ein kleines Bier, 0,33 Liter, und einen Gin Tonic. Das zusammen kostet 25 Euro. Das ist auch originell.

Das P 1 ist jene Disco, in der die frühere Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft seine Geliebte kennen gelernt hat, die jetzt seine Freundin ist. Wie aus München zu hören ist, gehen beide immer noch gerne hierher. Es ist wahrscheinlich gut, dass Deutschland einen neuen Torwart hat. Die Reise geht weiter, wir gehen in die Luft.

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