Zeitung Heute : Wo Didier Drogba milde lächelt

Axel Vornbäumen drückt den „Elefanten“ die Daumen

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Didier Drogba lächelt, Isaac Bile auch. Wer in diesen Tagen das Lächeln Isaac Biles sehen will, der muss am Lächeln Didier Drogbas vorbei. Ein Foto vom Stürmerstar der Elfenbeinküste hängt unübersehbar vis-à-vis vom Eingang der ivorischen Botschaft, die im dritten Stock eines massiven Bürogebäudes in Berlin-Tiergarten untergebracht ist. Drogba ist einer größeren deutschen Öffentlichkeit in Erinnerung geblieben, seitdem er im April 2005 in der Champions League aus zwei Metern Entfernung einen Ball mit geschätzten 120 Stundenkilometern an Oliver Kahn vorbei ins Netz wuchtete. Es gibt ein Foto von dieser Szene, und Kahn sieht bemitleidenswert hilflos aus, mehr Maikäfer als Titan. Seitdem hat die Fußballgemeinde einen Begriff davon, warum die ivorische Nationalelf daheim die „Elefanten“ genannt wird. Im Viertelfinale in Berlin könnten sich die beiden, Drogba und Kahn, wieder treffen, was interessant wäre, aus verschiedenen Gründen, aber nicht wahrscheinlich ist. Kahn müsste Lehmann im Tor verdrängen, die Elfenbeinküste müsste die „Todesgruppe“ gewinnen, Erster werden vor Holland, Argentinien und Serbien-Montenegro. Bile hält selbst das für möglich – und nicht erst, seit der „Kaiser“ bei einem Besuch in Westafrika die Ivorer zum „Geheimfavoriten“ erklärt hat, was Franz Beckenbauer allerdings später in „ja gut, sicher die stabilsten Afrikaner“ abgemildert hat.

Die „stabilsten Afrikaner“ treffen heute in Hamburg auf Argentinien. Es wird das erste Vorrundenspiel sein, das richtig was mit Fußball zu tun hat – und womöglich doch schon viel mehr bedeutet. Es geht auch um die Stabilität eines in sich zerrissenen, am Rande des Bürgerkriegs wandelnden Landes. Isaac Bile, der Sprecher der ivorischen Botschaft, sagt: „Die Aussichten sind bewegend, vergleichbar nur mit denen Deutschlands nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft von 1954.“ Die Spieler, glaubt Bile, würden nicht nur die „Botschaft des Friedens bringen – nein, sie können sogar Friedensstifter sein.“

Mehr kann man von Fußballern eigentlich nicht verlangen.

In Hamburg wird das halbe Kabinett aus der Heimat da sein, der Premierminister, der Außenminister, allerlei Honoratioren aus Wirtschaft und Kultur, zudem praktisch die komplette Botschaft. Die 14 000 Karten, die der Elfenbeinküste für ihre drei Vorrundenspiele zustanden, sind weg, dabei leben nur knapp 3000 Ivorer in Deutschland.

Dann werden in Hamburg womöglich Helden geboren? Nein, sagt Isaac Bile, „Helden sind sie doch schon.“

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