Zeitung Heute : Wo die Gäste nett behandelt werden

Der Tagesspiegel

Wie muss ein Hotel sein? Möglichst ruhig, komfortabel, anheimelnd ausgestattet, natürlich. Vor allem aber kommt es darauf an, dass die Mitarbeiter jedem Gast das Gefühl geben, sie hätten nur auf ihn ganz persönlich gewartet. Vermutlich war es diese Überlegung, die Volker Hassemer, den Chef der „Partner für Berlin“ vor etwa zwei Jahren auf die Idee brachte, Berlins „Freundlichste Hotels“ auszuzeichnen. Vor einem Jahr gab er die Erkenntnisse der Jury zum ersten Mal bekannt, gestern begrüßte sein Nachfolger Friedrich-Leopold von Stechow die Sieger der zweiten Runde im Hotelwettstreit. Und noch etwas war neu: Klaus Wowereit hat sich das Anliegen der „Partner“ zu eigen gemacht- er verteilte die Urkunden persönlich, und zwar im Roten Rathaus.

Das sind die Sieger: Bei den Pensionen die Pension Dittberner in der Wielandstraße in Charlottenburg, bei den kleinen Hotels das Hotel Astoria in der Fasanenstraße in Charlottenburg, bei den Business-Hotels das Savoy, ebenfalls in der Fasanenstraße, und schließlich in der Luxuskategorie das Grand Hyatt am Potsdamer Platz. In jeder Kategorie waren noch jeweils vier bis fünf weitere Hotels nominiert. Die Sieger des letzten Jahrer - Bogota, Jurine, Dorint Gendarmenmarkt, Four Seasons - wurden in diesem Jahr nicht wieder berücksichtigt. Die Juroren waren Achim Becker (Der Feinschmecker), Ulrike Döpfner (Fit for Service), Heinz Horrmann und Nicolas Rechenberg (Die Welt) Thomas Platt (FAZ), Willi Säuberlich (Schering), Karl Weißenborn vom Hotel- und Gaststättenverband und Frank Christian Hansel von der Initiative Hauptstadt Berlin.

Über die Kriterien der Auswahl wurde nicht viel verraten, schon gar nicht, wie ihre Erfüllung festgestellt wurde; freundlich und kompetent müssen sie eben sein, die Leute vom Hotel. Das Staunen des Regierenden Bürgermeisters über die angesichts von 533 Beherbergungsbetrieben notwendige intensive Recherche dürfte insofern gegenstandslos sein, denn eine Begehung oder gar systematische Bewohnung der Hotels hat nicht stattgefunden. Sie wäre auch kaum möglich gewesen. Das Ergebnis hat deshalb zweifellos Zufallscharakter - und dient als beiläufige Werbung für die Berliner Hotellerie, die 2001 einen Rückgang der Gästezahl hinnehmen musste. Die Siegerbetriebe erhalten neben Urkunden Anstecker „Welcome Hotel 2002“ für ihre Mitarbeiter - so ist sichergestellt, dass auch weniger freundliche Angestellte von der Aufschrift am Revers mitgerissen werden und das Versprechen der Jury zumindest nachträglich erfüllen. bm

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