Zeitung Heute : Wo die Meisen kreisen

Freisitze, Balkone, Terrassen oder Wintergärten – die Natur lässt sich an oder ins Haus holen.

Wolfgang Becker
Im Freien zu Hause. Holzdielen sorgen für eine wohnliche Atmosphäre im Außenbereich. Tropische Holzarten sind lange haltbar und ziehen mit ihrer ganz besonderen Optik alle Blicke auf sich. Foto: epr/Osmo
Im Freien zu Hause. Holzdielen sorgen für eine wohnliche Atmosphäre im Außenbereich. Tropische Holzarten sind lange haltbar und...

Auf dem Balkon neben der Krone des Ahornbaumes sitzen – umschwirrt von flinken Meisen und beschallt vom Lockruf der Amsel auf dem nächsten Dachfirst. Auf der neu angelegten Terrasse mit dekorativen Blumenkübeln entspannen oder das ganze Jahr über im Wintergarten den totalen Durchblick ins Grüne haben: Freisitze steigern Wohn- und Verkehrswert des Zuhauses ganz erheblich.

„Das eigene Zuhause wird noch liebenswerter, wenn man wohnungsnah auch das Draußen erleben kann – sei es auf einem kleinen Balkon, auf der Dachterrasse, auf einer ebenerdigen Terrasse mit Überdachung oder im Wintergarten“, sagt die Architektin Helga Zander aus Hannover. Bei Altbauten sei es mittlerweile Standard, im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen auch Balkone an der Rückseite der Gebäude zu den meist begrünten Höfen anzubauen. Es gibt mehrere Anbieter mit ausgereiften Systemen und einer Vielfalt an Geländergestaltung, viele Metallbaubetriebe können auch individuelle Lösungen anbieten.

Ein Glasdach über den oberen Balkonen verbessert dort die Aufenthaltsmöglichkeiten bei kühleren Temperaturen oder leichtem Regen. „Zu beachten ist ein Mindestabstand zur Grundstücksgrenze, der in besonderen Fällen und mit Zustimmung des Nachbareigentümers unterschritten werden kann“, erläutert Zander die Bestimmungen. „Auch kann ein Sichtschutz zu Nachbarbalkonen erforderlich sein.“ Solche Anforderungen sind in den Bauordnungen der Bundesländer definiert und müssen bei dem für den Balkonanbau notwendigen Bauantrag berücksichtigt werden. Auch muss im Bauantrag speziell bei kleinen Grundstücken überprüft werden, dass die zulässige im Bebauungsplan festgelegte Baudichte nicht überschritten wird.

Bei Dachgeschosswohnungen ist der Bau einer Dachterrasse attraktiv, die man in einen kleinen Kräuter- oder Blumengarten verwandeln kann. Neben dem auch hier notwendigen Bauantrag sind als bauliche Maßnahmen die sichere Feuchtigkeitsabdichtung sowie eine Wärmedämmung zur darunterliegenden Wohnung zu beachten.

Immer beliebter werden Wintergärten, in denen man witterungsgeschützt schon im Frühjahr der Natur und damit den ersten Gartenblumen und blühenden Büschen nahe sein kann. Frostempfindliche Pflanzen können hier überwintern. Der Wintergarten kann sowohl an der Ost-, Süd- oder Westseite angebaut und im Sommer je nach Ausstattung, zum Beispiel mit Schiebe- oder Falttüren, auch als überdachte Terrasse genutzt werden. Er bildet einen Klimapuffer gegenüber der Wohnung. Eingeplant werden muss eine gute Entlüftung und möglichst ein außenliegender Sonnenschutz, also außen angebrachte Jalousien oder Markisen, sonst schwitzen nicht nur die Menschen, sondern auch die Pflanzen.

„Der Gedanke an einen Wintergarten hat durchaus Sinn: Schließlich vergrößert er komfortabel den Wohnraum und verbindet die Hausbewohner in einzigartiger Weise mit der Natur – und das zu jeder Tages- und Jahreszeit“, sagt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade (VFF) in Frankfurt am Main. Er nennt den Raum ein „Freilichtkino zu jeder Jahreszeit“.

Stehen vor dem Wintergarten größere Laubbäume, die im Sommer für angenehmen Schatten sorgen, ist bereits ein perfekter, natürlicher Sonnenschutz vorhanden. Das Gute daran: Im Winter, wenn die Bäume laubfrei sind, kann die tief stehende Sonne eingefangen werden. Sind keine Bäume vorhanden, hilft eine automatisierte Beschattung mit Wind-, Regen- und Sonnensensoren. „Die gewonnene Wärme lässt sich durch gezieltes Öffnen und Schließen der Verbindung zwischen Wohnraum und Wintergarten direkt ins Haus lüften“, erläutert Tschorn. Mit einem Wintergarten wird zusätzliche Wohnfläche geschaffen, die ganzjährig nutzbar ist. „Zugig im Winter und zu warm im Sommer ist lange vorbei. Moderne Funktionsgläser kombiniert mit effektivem Sonnenschutzglas oder fest montierten Verschattungen sowie mit modernen Belüftungseinrichtungen machen den Wintergarten im Handumdrehen zur Zwölfmonatswohlfühloase für die ganze Familie“, sagt Jochen Grönegras, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Flachglas (BF) in Troisdorf bei Bonn. „Da die technischen Möglichkeiten hier vielschichtig sind, sollte man sich von einem Fachmann beraten lassen.“ Auch Balkone oder Terrassen lassen sich bei vorhandener Fläche nachträglich an das Eigenheim anbauen und ergeben so mehr nutzbare Wohnflächen – wenn auch nicht über das gesamte Jahr nutzbar, wie dies bei einem Wintergarten der Fall ist. Aber es gibt Möglichkeiten: Bei einer Terrasse bietet sich eine Überkopfverglasung an, die vor Sonne schützt und auch einem plötzlichen Regenschauer den Schrecken nimmt.

„Bei Markisen aus Stoff kann das schon anders aussehen. Diese holt man am besten ein, wenn es windig wird“, rät Grönegras. Allerdings wird das Glasdach im Laufe der Zeit schmutzig und muss regelmäßig geputzt werden. Damit das nicht zu akrobatischen Ausflügen verleitet, bietet sich der Einsatz von selbstreinigendem Spezialglas an, erläutert Grönegras weiter. Dessen Oberfläche sorgt für einen raschen Abbau von organischen Verschmutzungen und deren Abtransport durch den natürlichen Regen. „Bekommt die Glasfläche über das Jahr genug Regen ab, sind weitere Maßnahmen meist überflüssig – wenn nicht, hilft der Einsatz des Gartenschlauchs.“ (dpa)

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