Zeitung Heute : Wo ist meine Box?

Handel kann mit Nachfrage nach DVB-T nicht Schritt halten

Maximilian v. Demandowsky

Nach einer Woche digitalen Antennenfernsehens steht fest: Die Technik funktioniert, oft mangelt es aber am richtigen Zubehör. Wie berichtet sind zum 1. November die ersten acht Programme in digitaler Qualität auf Sendung gegangen. Zum ersten Mal kann unter der Bezeichnung DVB-T in Berlin und Brandenburg das Fernsehprogramm digital über die Antenne empfangen werden. Wollte man allerdings zu denjenigen gehören, die von Anfang an die neue Technik nutzen, war der Kauf einer Set-Top-Box beziehungsweise eines DVB-T-Decoders unumgänglich. DVB-T steht für „Digital Video Broadcasting – Terrestrial“ und bedeutet, dass man mit der gewöhnlichen Zimmerantenne im Raum Berlin-Potsdam sowie mit einer Außen- oder Dachantenne in weiteren Teilen Brandenburgs die digitale Fernsehübertragung empfangen kann.

Die Hersteller sind dem Kaufboom jedoch offenbar nicht gewachsen. In der Folge hat der Handel mit Lieferschwierigkeiten bei den Empfangs-Dekodern zu kämpfen. Manche Lieferungen sind bereits nach einer halben Stunde ausverkauft. Thomas Bürger, Verkaufsleiter für Multimedia- und Zubehör bei Saturn am Alexanderplatz: „Die Nachfrage ist nach wie vor groß, weitere Modelle sind bestellt und sollen in der nächsten Woche eintreffen.“ Auch Ingo Fried, Leiter der Multimedia-Abteilung beim KaDeWe bestätigt: „Die Nachfrage übersteigt das Angebot.“ Manche Kunden lassen sich auf eine Warteliste setzen, um nicht nach der Lektüre der Werbebroschüren vor einem leeren Verkaufsregal zu stehen. Häufig kommen die Kunden auch mit der Frage, ob sie als Inhaber eines Kabelanschlusses überhaupt betroffen sind, so Ingo Fried. Diese Erfahrung ist auch Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, nicht fremd. Für Mieter, die vom Vermieter per Kabelfernsehen angeschlossen sind, ändert sich nur etwas, wenn das Programm zum Teil terrestrisch empfangen wurde. Nur dann kommen Umrüstungskosten in Frage, die gegebenenfalls auf die Miete umgelegt werden können. In der Vergangenheit versuchten Vermieter den Anschluss ans Kabelnetz als Modernisierung zu erreichen, was eine Erhöhung der Betriebskosten gerechtfertigt hätte. Vetter: „Die Verkabelung ans Kabelnetz ist mit DVB-T jedoch keine Modernisierungsmaßnahme, da eine vergleichbare Empfangsqualität mit dem digitalen Antennenempfang gewährleistet wird.“ Darum sollte man sich nicht unter Druck setzen und sich von einem Mieterverein beraten lassen.

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