Zeitung Heute : Wo Licht brennt, ist nichts zu holen

Alarmanlagen, gut gesicherte Türen und Fenster und Leben in der Bude – was Einbrecher abschreckt

Preiswert und effektiv. Gerade in der Reisezeit sollte ein Haus oder eine Wohnung nicht unbewohnt erscheinen. Tagsüber kann dezente Musik Anwesenheit vorgaukeln. Nachts sorgen Leuchten an Schaltuhren für die Illusion „echten Lebens“. Foto: picture-alliance/Bildagentur-online
Preiswert und effektiv. Gerade in der Reisezeit sollte ein Haus oder eine Wohnung nicht unbewohnt erscheinen. Tagsüber kann...Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Den kurzen Knall in der Nacht hätte Nachbar Klaus eigentlich hören müssen. Er mit seinem leichten Schlaf. Aber nicht jede Alarmanlage vom Typ „aufmerksamer Nachbar“ funktioniert einwandfrei. Klaus bekam nicht mit, wie im Haus nebenan die Terrassentür aufgehebelt wurde – gerade einmal neun Meter entfernt. Mit den richtigen Schutzvorkehrungen hätte der Einbruch wahrscheinlich verhindert werden können.

Sachlich betrachtet war es einer von 8713 Wohnungseinbrüchen im Jahr 2010 in Berlin. Nur: Wirklich sachlich bleibt bei Dieben in der Wohnung niemand. Die meisten erleben diese Verletzung der Privatsphäre als einen Schock, wie eine Art von Körperverletzung.

Grund genug, sich vorzusehen. Am häufigsten dringen Einbrecher ein, indem sie Fenster oder Türen aufhebeln. Bei Einfamilienhäusern sind die Terrassentüren die klassischen Schwachstellen der Außensicherung, bei Etagenwohnungen ist es die meist nur gering gesicherte Wohnungstür zum Treppenhaus. Anders als Außentüren sind Wohnungseingangstüren nur selten durch seitliche Riegel mehrfach im Rahmen gesichert – professionelle Einbrecher brauchen nur Sekunden, um ungesehen in die Wohnung zu kommen. Doch man kann sich helfen

LICHT UND MUSIK IM HAUS

Gerade in der Reisezeit sollte ein Haus oder eine Wohnung nicht unbewohnt erscheinen. Tagsüber kann dezente Musik (Die Nachbarn sind dankbar für Zimmerlautstärke) Anwesenheit vorgaukeln. Nachts schaffen Leuchten an Schaltuhren ein täuschend echtes Ambiente. Man sollte auch mit den Wattzahlen nicht geizen, um „echtes Leben“ in einem Haus darzustellen – die Simulation mit Licht und Ton ist die preiswerteste Methode zum Einbruchsschutz.

ALARMANLAGEN UND KAMERAS

Die beste Wirkung, die von einer Alarmanlage ausgeht, ist die psychologische: Man fühlt sich einfach sicherer in seinem Zuhause. Nicht von Einbrechern in den eigenen vier Wänden überrascht zu werden, ist viel wert. Außerdem können in moderne Haussicherungen auch andere Gefahrenwarnungen eingebunden werden: Feuer, Rauch und Wasser. Weil nicht alle Außensirenen sabotagesicher sind, alarmieren zeitgemäße Anlagen auch per Telefon-Weckruf – damit Nachbar Klaus nicht wieder alles verschläft.

WACH- UND SCHUTZDIENSTE

Seriöse Schutzdienste arbeiten wirkungsvoll, sie haben „eine Nase für aktuelle Gefahrenlagen“. Weil Einbrecher und Diebesbanden meistens in Tatserien aktiv sind, wissen die Objektschützer – ähnlich wie die Polizei – wo sie demonstrativ Präsenz zur Abschreckung zeigen müssen. Oder auf der Lauer liegen. Das Hinweisschild eines bekanntermaßen pflichtbewussten Sicherheitsdienstes am Objekt kann Diebe ganz wirkungsvoll abschrecken – man kennt sich schließlich auch in dieser „Szene“. Ein günstiger Nebeneffekt ist, dass Wachdienste sehr beruhigend auf Versicherungen wirken und deren Tarif-Appetit dämpfen.

MECHANISCHE SICHERUNGEN

Fachleute, die Tatorte aufnehmen und Einbruchsspuren sichern, schätzen, dass 40 Prozent aller Einbrüche bereits im Ansatz scheitern, wenn die Außenhülle des Gebäudes ausreichend geschützt ist – mechanische Sicherungen sind die erste Wahl zum Schutz gegen Ganoven. Allerdings nur, wenn die Verriegelungen an den Fenstern und Türen oder die Sicherungen an den Rollläden fachmännisch angebracht sind. Laien unterschätzten oft die Kraft, die Einbrecher mit langen Brecheisen ausüben können.

INFORMATION UND BERATUNG

Die besten Tipps kommen daher von jenen, die sich tagein, tagaus mit Langfingern beschäftigen: von der Polizei, von den Herstellern von Sicherheitsanlagen, von Sicherheitsberatern. Oder gebündelt von „Nicht bei mir! – Initiative für den aktiven Einbruchsschutz“ (im Internet: (www.nicht-bei-mir.de). Dort wirken die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit, außerdem Dach- und Fachverbände der Versicherungswirtschaft, der Hersteller von Sicherheitselektronik, Schließsystemen und den Einrichter-Fachbetrieben, schließlich auch die Wach- und Sicherheitsdienste. Die Beratung sei bewusst herstellerneutral angelegt, heißt es. Und: „Wir wollten das oft verdrängte Thema Einbruchssicherung einmal vernünftig darstellen und einen seriösen Überblick bieten.“

Auf den Internetseiten von „Nicht bei mir!“ und im Webangebot der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle des Landeskriminalamtes Berlin (www.berlin.de/ polizei/praevention/eigentum/einbruchschutz.html ) gibt es viele Tipps von Fachleuten. Es macht Sinn, vor einem Beratungsgespräch das ABC der Sicherungstechnik einmal durchzugehen und die Situation des eigenen Zuhauses genau aufzunehmen. Denn die Polizei knausert mit ihrer Zeit; nur die ersten 30 Minuten sind für den Bürger kostenfrei (Termine unter Tel.: 030/4664-97 99 99). Die Beamten halten eine Liste bereit, auf der – nach einer gründlichen Prüfung – derzeit rund 45 geeignete Berliner Fachbetriebe eingetragen sind.

Vertrauen darf man auch den Fachleuten aus der Umgebung, die über eine Suchmaschine auf www.bei-mir-nicht.de angezeigt werden: Die Dachverbände achten darauf, dass alles seriös abläuft. Dazu hilft auch eine Kostenübersicht, die die Initiative Verbrauchern an die Hand gibt. So sollte sich ein Fenster ab 200 Euro nachträglich vom Fachmann sichern lassen, eine Haustür ab 750 Euro. Eine Alarmanlage, vom Spezialisten installiert, sei ab 2500 Euro zu haben. Wie schnell sich der zusätzliche Schutz rechnen kann, erfährt man ebenfalls: Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Schaden, den Wohnungseinbrecher anrichteten, bei 2378 Euro.

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