Zeitung Heute : Wo Papa zu Peter Pan wird

Neue Spielplätze sollen Kinder und Erwachsene ansprechen. Die Konstruktionen der Hersteller werden immer ausgefallener.

Antonia Lange[dpa]
Spielplatzbauer Bernhard Hanel Foto: dpa
Spielplatzbauer Bernhard Hanel Foto: dpaFoto: dpa

Früher war die Formel einfach. Man nehme Schaukel, Rutsche, Sandkasten und vielleicht noch eine Wippe. Heute sind Spielplätze längst nicht mehr so simpel gestrickt: Riesen-Vogelnester, Seilgärten oder Häuser aus umgedrehten Bäumen – all das ist dort keine Seltenheit mehr. Spielgerätebauer wollen damit aber nicht nur Kinder ansprechen, sondern auch die Erwachsenen.

„Wir wollen Plätze so gestalten, dass sie für alle sind“, sagt Bernhard Hanel, Geschäftsführer des Stuttgarter Spielgerätebauers Kukuk. „Generationenübergreifend ist das Schlagwort.“ Schließlich wollten Eltern nicht nur am Rand stehen und warten, bis ihr Kind fertig sei. Den Trend bestätigt auch der Bundesverband für Spielplatz- und Freizeitanlagenhersteller (BSFH). „Man versucht, die Erwachsenen zu integrieren“, sagt der Vorsitzende Tilo Eichinger. Momentan lägen etwa Niedrigseilgärten im Trend. „Ein junger Vater kann den auf jeden Fall ausprobieren“, sagt Eichinger. Bei einer Rutsche hätte man da vielleicht schon eher Hemmungen.“

Die Branche der Spielgerätebauer ist nach Angaben des BSFH relativ klein. Den jährlichen Umsatz der zumeist kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland schätzt der Verband auf insgesamt 150 Millionen Euro. In den vergangenen beiden Jahren seien die Erlöse aber jeweils um etwa fünf Prozent geschrumpft, sagt Eichinger. Rund ein Viertel des Geschäfts werde im Ausland gemacht, schätzt der Verband – allerdings gingen die Investitionen der Kommunen wegen der Finanzkrise in Europa zurück. Eine relativ starke Nachfrage gebe es derzeit aber nach größeren Anlagen, sagt Eichinger. „Große Spielplätze mit großen Produkten und Turm-Kombinationen.“ Das hat allerdings seinen Preis: Die Kosten für einen durchschnittlichen städtischen Spielplatz beziffern die Experten von Kukuk auf 20 000 bis 200 000 Euro. Wohlhabende Kommunen gäben aber durchaus auch eine Million aus.

Kukuk entwickelt die Spielräume dann zusammen mit den Auftraggebern und baut sie vor Ort auf. Das Interesse an regelrechten Spiellandschaften spürt auch Geschäftsführer Hanel. „Wir kriegen viele Aufträge, die mit dem klassischen Spielplatz nichts mehr zu tun haben“, sagt er. Unter seinen Bauten seien häufig überdimensionale Vogelnester. Aber auch Baumhäuser aus verkehrt herum aufgestellten Bäumen – die dann auf ihren Ästen stehen – habe er schon angefertigt. 2012 wurde der Hersteller mit dem baden-württembergischen Landespreis für junge Unternehmen ausgezeichnet. „Heute gibt es ein zunehmendes Bewusstsein, dass man keinen Spielplatz mehr will, sondern einen Spielraum. Das eine geht in das andere über“, so Hanel.

Was für die Geräte gilt, gilt dabei auch für die Nutzer: „Überall wo man hinschaut, spricht man von generationenübergreifend“, sagt auch der Geschäftsführer von Richter Spielgeräte, Julian Richter. „Die Nachfrage ist groß.“ Um Alt und Jung gleichermaßen anzusprechen, setzt der Hersteller unter anderem auf Geräte rund um das Thema Sinneswahrnehmung. Das Sonnenlicht durch Wasserspiele spalten, Steine zum Schwingen bringen oder Geduldsspiele mit Murmeln – all das sei nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene interessant, sagt Richter. „Heutzutage legt man Wert darauf, dass man eine gute Atmosphäre schafft.“

Noch tollen Erwachsene und ihr Nachwuchs aber nicht überall gemeinsam umher. „Man schaut, dass man bei einem guten Spielplatzkonzept die Bedürfnisse aller integriert“, sagt Tilo Eichinger vom BSFH. „Das ist aber noch nicht bei allen angekommen.“ Antonia Lange, dpa

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