Zeitung Heute : Wo Raucher büßen müssen

Dagmar Rosenfeld

In Deutschland soll ein weitgehendes Rauchverbot eingeführt werden. Wer sich nicht daran hält, dem könnte eine Geldstrafe von bis zu 1000 Euro drohen. Wie handhaben das andere europäische Länder?


Für manche wird es wohl ungemütlich werden in Deutschlands Kneipen. Nervös werden sie auf den Barhockern rumrutschen, am Bierdeckel piddeln oder an den Nägeln kauen – all die Raucher, die bald auf ihre Zigarette verzichten müssen. Wie nervös ein Raucher werden und welch fatale Folgen das haben kann, hat sich jetzt in einer Passagiermaschine auf dem Flughafen von Barcelona gezeigt. Nachdem der Pilot den Start abbrechen musste, weil die Elektronik ausgefallen war, sprang ein Fluggast hektisch von seinem Sitz auf und verschanzte sich auf der Toilette. Als die übrigen Passagiere sahen, dass ein Polizeiauto das Flugzeug zurück zum Terminal begleitete, gerieten sie Panik. Sie fürchteten, der Mann in der Toilette könnte ein Attentäter sein. War er aber nicht, sondern nur ein Raucher, dessen Nerven nach dem verpatzten Start so blanklagen, dass er sich mit einer heimlichen Zigarette auf dem Klo beruhigen musste. Der Mann wurde festgenommen, ihn erwartet nun ein ordentliches Bußgeld.

Bis zu 1000 Euro sollen künftig auch Raucher in Deutschland zahlen, die sich verbotenerweise eine Zigarette in Verkehrsmitteln, öffentlichen Einrichtungen oder Gaststätten anstecken. In anderen europäischen Ländern, die bereits ein Rauchverbot durchgesetzt haben, werden Verstöße ebenfalls mit Geldstrafen geahndet. In Italien beispielsweise, wo seit Anfang 2005 das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden, Restaurants und in Cafébars verboten ist, reichen die Bußgelder von 27 bis 275 Euro. Sind Kinder anwesend, kann die Strafe verdoppelt werden. Vor allem aber Wirte, die das Rauchen in ihrem Lokal tolerieren, kommt das teuer zu stehen: Sie müssen bis zu 2200 Euro Strafe zahlen. Schlimmstenfalls verlieren sie sogar ihre Konzession.

In Frankreich wird es erst ab kommendem Jahr italienische Verhältnisse geben, dann wird auch hier das Rauchen in Bars und Restaurants verboten sein. Seit dem 1. Februar 2007 gilt bereits ein generelles Rauchverbot in Betrieben, Bahnhöfen, Flughäfen und anderen öffentlichen Plätzen. Einem Raucher drohen bei Zuwiderhandlung 68 Euro Geldstrafe, dem Arbeitgeber oder Institut 135 Euro. 175 000 Beamte mit allgemeinen Kontrollaufgaben sollen die Einhaltung überwachen.

In Belgien ist seit Jahresbeginn das Qualmen in Restaurants, Cafés und Lokalen nicht mehr erlaubt. Die Wirte können zwar ausgewiesene Raucherzonen einrichten, für deren Abtrennung und Belüftung gelten jedoch strenge Vorschriften. In Kneipen dürfen weiterhin Zigaretten angezündet werden, wenn weniger als ein Drittel des Umsatzes mit Mahlzeiten erwirtschaftet wird. Sowohl Wirten als auch Gästen, die wiederholt gegen die neuen Regeln verstoßen, drohen Bußgelder zwischen 150 und 1650 Euro. Noch teurer wird es in Irland. Dort gilt seit März 2004 zum Schutz der Arbeitnehmer ein Rauchverbot in öffentlichen, geschlossenen Räumen, also auch in Pubs und Gaststätten. Arbeitgeber die sich nicht daran halten, zahlen bis zu 3000 Euro Strafe.

Recht moderat geht es dagegen in Schweden und Norwegen zu. Hier darf in Lokalen nicht geraucht werden. Wer sich nicht daran hält, den kann der Wirt zwar vor die Türe setzen. Ein Bußgeld aber bleibt dem Raucher erspart.

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