Zeitung Heute : Wo schöne Dinge ihre Geschichten erzählen

Eine Entdeckungsreise durch die Zeit: Heute eröffnet die 6. Ars Nobilis im Automobil Forum Unter den Linden in Berlin

Katrin Wittneven

Erstaunliche 308500 Euro zahlte Charles Saatchi vergangene Woche bei einer Auktion für ein Bild von dem jungen Leipziger Maler Matthias Weischer, das er gerade einmal vor zwei Jahren malte. Wie lange die Begeisterung für solch junge Kunst allerdings anhalten wird und an welchen der momentan so erfolgreichen Künstler man sich auch in hundert Jahren noch erinnert, vermag in diesen erhitzen Zeiten niemand zu sagen. Der traditionelle Kunsthandel tickt dagegen in ganz anderen Zeitdimensionen. Auf der 6. Berliner Kunst- und Antiquitätenmesse Ars Nobilis kann der Besucher eine Zeitreise durch die Jahrhunderte antreten und flaniert zwischen historischen Öfen, niederländischen Goldledertapeten, silbernen Tafelaufsätzen und kostbaren Gemälden und Skulpturen. Insgesamt 34 Kunst- und Antiquitätenhändler offerieren im Automobil Forum wertvollen Stücke: wie das seltene „Bureau Mazarin“, eine um 1710/1720 entstandene frühe Form des Schreibtisches, die Albrecht Neuhaus aus Würzburg mit nach Berlin gebracht hat (128000 Euro). Oder zwei Bilder mythologischer Szenen von Vittorio Amedeo Rapous, die einmal eine Sänfte oder Kutsche verziert haben, und auf der Messe von Konrad Bernheimer aus München angeboten werden. Längst sind diese Werte gesichert, ihre historische Bedeutung steht außer Frage.

Gleichzeitig wissen die Berliner Organisatoren Udo Arndt, Jürgen Czubaszek, Volker Westphal und Ernst von Loesch, die seit 2000 die an Ausstellern und Besuchern stetig wachsende Kunstmesse organisieren, dass sie gerade im traditionellen Kunsthandel neue Wege der Vermittlung einschlagen müssen. Das Konzept der kleinen, feinen Messe mit offener Standstruktur hat sich bewährt und wird inzwischen von anderen Städten kopiert. Darüber hinaus setzen die Veranstalter vor allem auf Kooperationen. So präsentiert das Berliner Kunstgewerbemuseum auf der Ars Nobilis zur Übergabe der weltweit größten Privatsammlung historischer Mode an das Museum kostbare Roben – und wirbt für deren Restaurierung. Gleichzeitig stellt das New Yorker Unternehmen Cora Ginsburg LLC historische Gewänder auf der Messe aus. In der Berliner Gemäldegalerie initiieren die beiden Rahmenspezialisten Thomas Knöll und Olaf Lemke eine Sonderausstellung rund um ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert parallel zu ihren kostbaren Rahmen auf der Ars Nobilis. So vernetzt sich die Ars Nobilis mit den hiesigen Institutionen – und ist schon deshalb aus Berlin nicht mehr wegzudenken.

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