Zeitung Heute : Wo sich Backpacker und Manager treffen

Hotel oder Hostel? Spielt für Gäste von „Meininger“ keine Rolle. Die Gruppe mit dem Low-Budget-Angebot ist auf Expansionskurs

Patricia Hecht

Eine Gruppe laut herumalbernder Jugendlicher mit voll gepackten Rucksäcken wartet im Meininger Hotel am Tempelhofer Ufer aufs Einchecken. Vor ihnen am Tresen steht ein Herr mittleren Alters, korrekt gekleidet, der seine Aktentasche unterm Arm festhält. Die Treppe herunter kommt gerade eine Familie mit Stadtplan in der Hand und kleinen Kindern im Schlepptau.

Dieses Aufeinanderprallen von scheinbar verschiedenen Welten könnte so oder ähnlich in allen Meininger-Häusern passieren. Es ist allerdings kein dummer Zufall, sondern Absicht. „Was unsere Gäste betrifft, handeln wir völlig entgegen der klassischen Lehrmeinung, Zielgruppen möglichst klar voneinander abzugrenzen“, sagt Sascha Gechter, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter von Meininger. Sowohl Backpacker als auch Business-Reisende sind gewollt, nächtliche Kollisionen werden durch entzerrte Räumlichkeiten allerdings vermieden. Das Konzept breiter Zielgruppenansprache auf Drei-Sterne-Niveau geht voll auf. Die Low-Budget-Gruppe Meininger, die sowohl Hotel- als auch Hostel-Zimmer anbietet, ist auf Expansionskurs.

Angefangen hat das Ganze als ein Selfmade-Unternehmen zweier Berliner Jungs. Die Schulfreunde Nizar Rokbani, Sohn tunesischer Eltern, und Oskar Kan, der als Kind aus Lettland nach Berlin kam, eröffneten vor zehn Jahren das „Studenten-Hotel Meininger 10“ in der gleichnamigen Schöneberger Straße – mit einem Startkapital von 180 000 Mark, mit von Oma selbst genähten Vorhängen und viel Enthusiasmus. „Natürlich war es ein Traum von uns, international tätig zu werden“, sagt Rokbani, „aber dass es so gut laufen würde, damit haben wir damals nicht gerechnet.“ So gut bedeutet: Mittlerweile arbeiten 170 Angestellte auf 110 Stellen bei Meininger, und die Gruppe hat ihren Umsatz in den vergangenen zehn Jahren alle zwei Jahre verdoppelt. „Damit sind wir die am schnellsten wachsende Low-Budget-Hotelgruppe in Deutschland“, sagt Sascha Gechter. Das aktuelle Investment Ranking der Unternehmensberatungsgesellschaft Treugast hat Meininger deshalb auch zum „Shootingstar 2008/2009“ gekürt. Dieses Jahr rechnet die Gruppe mit 20 Millionen Euro Umsatz, nach der Eröffnung weiterer Häuser sind für 2014 ganze 70 Millionen angepeilt.

Insbesondere seit Gechter – er kennt seine Partner ebenfalls noch aus Jugendzeiten – vor drei Jahren dritter Gesellschafter wurde, ist die Expansion eines der vorrangigen Ziele der Gruppe. Momentan gibt es acht Meininger-Häuser in Berlin und Deutschland und zwei in Wien und London. Am ersten April wird ein Haus in Hamburg eröffnet, Ende des Jahres das mit 296 Zimmern bislang größte Hotel am Berliner Hauptbahnhof. „Innerhalb von drei Jahren werden wir die Zahl der Häuser auf insgesamt 20 verdoppeln“, sagt Gechter. Süd- und Osteuropa sind interessant, in New York laufen Gespräche.

Während die Wirtschaftskrise insbesondere in der höherpreisigen Hotelbranche durchaus zu spüren ist, komme sie im Low-Budget-Segment kaum an, sagt Gechter. In Sachen Expansion bietet die Talfahrt der Konjunktur deshalb auch durchaus Chancen: Momentan sind Objekte in zentraler Lage auf dem Markt, die in wirtschaftlich besseren Zeiten nicht zum Verkauf gestanden hätten. Zudem profitiere man von der äußerst flachen Hierarchie des Unternehmens: „Oskar Kan, Sascha Gechter und ich, wir drei sind Meininger“, sagt Mitbegründer Nizar Rokbani. Wo große Hotelketten langsam und schwerfällig handelten, könnten die drei Geschäftsführer schnell und flexibel reagieren. Meininger, das ist der Plan, soll auch langfristig keine anonyme Hotelkette werden. Das Unternehmen will seine Gäste vielmehr individuell ansprechen. Der Gestaltungsspielraum der einzelnen Hotel-Manager ist groß: Man lege keinen Wert auf dieselbe Sesselfarbe in allen Eingangsbereichen, sagt Rokbani. Eine Küche, in der gekocht und geredet werden kann, gemeinsame Stadtführungen und W-Lan auf allen Zimmern gibt es aber überall. Unentschlossen zeigte sich Meininger bislang nur, was den Namen betrifft. Je nach Zielgruppe wurden Meininger-Häuser mal Hotel, mal Hostel genannt. Um die unterschiedlichen Gäste gemeinschaftlich anzusprechen, ist nun ein neues Label gefunden: Seit letzter Woche nennt sich Meininger im Untertitel „The urban traveller’s home“.

www.meininger-hostels.com

Natürlich war es ein Traum von uns, international tätig zu werden, aber dass es so gut laufen würde, damit haben wir nicht gerechnet. Jetzt sind wir die am schnellsten wachsende Low-Budget-Hotelgruppe in Deutschland.“

Nizar Rokbani (rechts, hier mit Sascha Gechter), geschäftsführender Gesellschafter der Meininger-Gruppe

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