Zeitung Heute : Wochenend-Lektüre: Ein Schuss Farbe für die "Frankfurter Rundschau"

Ulrike Simon

Ein bisschen erschöpft, aber durchaus zufrieden hört sich Martin Scholz nach der Präsentation des neuen Wochenend-Magazins der "Frankfurter Rundschau" an. Was jetzt endlich gut wurde, währt schließlich schon seit fast zwei Jahren. Im Sommer 1998 wurde bei der "Frankfurter Rundschau" die Idee zu dem ab heute immer sonnabends beiligenden Wochenend-Magazin geboren. Einen siebenstelligen Betrag lässt sich die "FR" das Magazin kosten. Hinzu kommen weitere Investitionen in das neue Feuilleton-Buch (ab Mittwoch) und das Politik-Ressort. Sie bewegt sich also doch, die "Frankfurter Rundschau". Auch an der Spitze kommt es bald zum Wechsel. Roderich Reifenrath, seit 1992 Chefredakteur des Blattes und davor lange Jahre für die Seite 3 verantwortlich, war überhaupt erst der dritte Chefredakteur in der über 50-jährigen Geschichte der Zeitung. Im Juli wird er von einer Doppelspitze aus seinen bisherigen Stellvertretern abgelöst.

Etwas abschätzig sprach Reifenrath immer gern von der kurzatmigen Nervosität, mit der manche Zeitungen Moden hinterher rennen würden. Ganz im Gegenteil zur FR, die ihre besten Zeiten jedoch hinter sich zu haben scheint. Damals, unter Chefredakteur Werner Holzer in den 70-er Jahren, galt sie als "Leitmedium der Gegenöffentlichkeit", war in Berlin meistgelesene überregionale Zeitung. Wann immer sich die FR in den vergangenen Jahren jedoch änderte, tat sie dies mit Blick auf das Regionale und Lokale. So stabilisierte sie ihre Auflage bei leidlichen 190 000 Exemplaren.

Für Innovationen fehlten sowohl die Risikobereitschaft als auch die Finanzdecke. Die "FR", die in der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH erscheint, gehört zu hundert Prozent der Karl-Gerold-Stiftung. Gerold, Gründer und erster Chefredakteur der "FR", rief die Stiftung 1984 ins Leben, um die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Blattes zu bewahren. Aus diesem Grund hängt die Zeitung wesentlich von der Ertragslage des Druckhauses ab.

An den Druckkapazitäten lag es letztlich auch, dass das neue Magazin erst heute erscheint. Es lag aber auch daran, dass im Frühjahr 1999 gleich zwei Zeitungssupplements eingestellt wurden. Das "FAZ"-Magazin ging ersatzlos ein, die "Zeit" erscheint seit dem Ende ihres Magazins mit dem in Berlin produzierten Magazin-Buch "Leben". Da nutzte es dem Team um Martin Scholz auch nicht, dass sie Freddy Röckenhaus (früher "Zeit"- und "SZ-Magazin") und Ralf Hoppe (früher ebenfalls "SZ-Magaziin") als externe Berater hatte und sogar den Cheflayouter vom "Guardian" gewinnen konnte. Das Projekt wurde immer wieder zur Seite gelegt. Was jedoch von Anfang an feststand, waren das ressortübergreifende Konzept und die von Walter Baumann entwickelte Bildsprache. Fotos, für die "FR" traditionell eher etwas sehr Oberflächliches, sollen den Text ergänzen, nicht illustrieren. Wahrscheinlich hofft Scholz insgeheim, ähnlich wie das "SZ-Magazin" künftig jede Menge Preise einzuheimsen. Schließlich kann er kaum mit seiner Kritik am Magazinjournalismus seiner Konkurrenten hinterm Berg halten und ärgert sich darüber, wenn Leser seiner Ansicht nach keinen direkten Zugang mehr zu den Geschichten erlangen könnten. Andere Magazine würden Geschichten so lange drehen, bis sie ihre Relevanz verlieren. Dadurch würden sie beliebig. Das Thema "Grillen mit Jürgen Trittin" sei so ein Fall. Oder die Porträts der Pförtner von Dresdner und Deutscher Bank anlässlich der geplatzten Fusion. Damit erreichten andere Magazin eine Meta-Ebene, die nichts mehr zu tun habe mit der von ihm gewünschten verspielten Leichtigkeit und intelligenten Unterhaltung.

In einem der Dummies hatte Wolfgang Joop über die Instrumentalisierung des Lächelns in der Politik geschrieben, Steven Spielberg und Luc Bessons sprachen anlässlich des Films "Deep Blue Sea" über die Faszination des Meeres. Auch in der jetzt erschienenen Ausgabe finden sich viele prominente Namen. "Aber nur von solchen, die auch etwas zu sagen haben", betont Scholz, der bislang im Hauptblatt für die Gesprächsseite zuständig war und die nun mit in sein Wochenend-Magazin mitgenommen hat. Jeff Bezos, das sei "ein relevanter Mensch", weil er die Gesellschaft ändere. Schriftsteller wie Salman Rushdie auch.

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