Zeitung Heute : Wohin soll die Reise gehen?

Bevor man ins Berufsleben startet, sollte man sich über die eigenen Fähigkeiten im Klaren sein. Berater helfen bei der Suche

Anke Sprenger

Wahre Berge an Infomaterial, gute und gut gemeinte Ratschläge von Eltern, Freunden und Verwandten – und am Ende die große Verwirrung. Auf die Frage „Was mache ich nach dem Schulabschluss?“ gibt es oft keine einfache Anwort. Ganz im Gegenteil – sie ist wohl eine der schwersten Entscheidungen, die man in seinem Leben zu treffen hat. Schließlich geht es darum, womit man in den nächsten vierzig Jahren einen Großteil seiner Zeit verbringen wird.

Die Studienabbrecherquote zum Beispiel liegt hierzulande bei 24 Prozent. Das dürfte ein Zeichen dafür sein, dass das Studium weder den eigentlichen Absichten noch den Fähigkeiten vieler Studiosi entspricht. Und dass es so weit kam, liegt nicht selten daran, dass sie sich bei ihrer Studienfachwahl daran orientiert haben, was die Eltern gern wollten oder was gerade „angesagt“ war.

Dabei kann man sich mit ein wenig Planung vieles ersparen. Für die Suche nach den eigenen Stärken, Wünschen und Vorstellungen gibt es heute eine Menge professionelle Hilfe. Das können zum Beispiel Workshops oder Seminare zur Berufsfindung leisten. Wie man die Wahl des passenden Berufes sinnvoll angeht, erklärt Thomas Rübel, Geschäftsführer des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader in Berlin: „Es geht darum, sich die richtigen Fragen zu stellen.“ Was will ich eigentlich in meinem Leben erreichen? Wo liegen meine Fähigkeiten? Was sind meine wirklichen Interessen? Und wie kann ich die mit meinen privaten Plänen in Einklang bringen? Wer sich darüber im Klaren sei, dem falle es leichter, einen passenden Beruf zu finden.

„Man wird ja in der Schule nicht darauf vorbereitet, sich selbstständig mit den eigenen Fähigkeiten und Perspektiven auseinanderzusetzen“, meint Rübel. Nach dem Abschluss sei aber genau diese Fähigkeit gefragt. „Wir sehen die Studien- und Berufswahl als einen Prozess, der spätestens in der elften oder zwölften Klasse beginnen sollte“, ergänzt Christian Langkafel, der Geschäftsführer der Einstieg GmbH. Auf der Messe „Einstieg Abi“ findet deshalb an diesem Wochenende auch ein entsprechender Workshop statt. „Doch dieser Prozess dauert nicht nur die vier Stunden eines Workshops, sondern kann sich über Monate hinziehen“, sagt Langkafel.

Entstanden ist die Idee zu den Workshops auf einer der zahlreichen Einstieg Abi Messen. „Es war einfach nicht zu übersehen, wie orientierungslos viele angehende Abiturienten dem wichtigen Thema begegneten“, beschreibt Denis Buss, Redakteur der Zeitschrift „Einstieg Abi“ und Workshopleiter, die Geburtsstunde der Intensivberatung. Die Orientierungslosigkeit führe oft zu Verunsicherung und zum Hinausschieben der Entscheidung. Aber je länger die Entscheidung verdrängt werde, desto stärker werde meist der Druck. „Die meisten machen dann den Fehler, wie das ,Kaninchen vor der Schlange’ zu verharren, und ihre Entscheidung erst kurz vor Torschluss und unüberlegt zu fällen.“

Buss ist zuversichtlich, dass die Orientierungslosigkeit mit professioneller Anleitung überwindbar ist: „Wir wissen aus der ständigen Interaktion mit Schülern, aber auch mit Hochschulen und Unternehmen, wo die Probleme bei der Berufsfindung liegen und wie man strategisch gegen die Orientierungslosigkeit vorgehen kann.“

Ist man sich über die eigenen Fähigkeiten und Begabungen im Klaren, kann man sich in einem zweiten Schritt einen Überblick über die Berufsbilder verschaffen, die dazu passen. Dafür lohnt sich zum Beispiel ein Besuch im Berufsinformationszentrum (BIZ). Dort gibt es konkrete Informationen zu einzelnen Berufen. Unter www.arbeitsagentur.de findet man die Filiale in der Nähe. Die Bundesagentur für Arbeit ist am 10. und 11. September mit drei „Beratungsinseln“ auf der „Einstieg Abi“ vertreten. „Die Besucher, bei denen größerer Beratungsbedarf gegeben ist, können sich bis zu 30 Minuten von einem professionellen Berufsberater Fragen beantworten lassen“, sagt Bettina Schröder, Organisatorin des Projektes. „Für einen regulären Berufsberatungstermin bei der Agentur für Arbeit hat man ja oft sehr lange Wartezeiten.“

Wer sich schon für ein Studium entschieden hat, kann sich im Internet über mehr als 10 000 Studiengänge, die Zulassungsvoraussetzungen und unterschiedlichen Hochschularten informieren: www.studienwahl.de beispielsweise ist die Online-Version der Broschüre „Studien- und Berufswahl“ und umfasst Informationen über das Studienangebot aller Hochschulen in Deutschland.

Hat man dann eine konkrete Vorstellung von dem eigenen Berufswunsch entwickelt, ist es sinnvoll, durch ein Praktikum zu überprüfen, ob die persönlichen Erwartungen auch mit der beruflichen Wirklichkeit übereinstimmen, meinen die Beratungsexperten. Weitere Vorteile seien, dass Praxiserfahrung auch bei der späteren Bewerbung von den Personalchefs der Unternehmen gern gesehen werde. „Außerdem hat man ein reales Ziel vor Augen, worauf man mit dem Studium oder der Ausbildung hinarbeitet“, meint Rübel. Und das könne eine gute Motivation sein.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar