Zeitung Heute : Wohlstandskrisen bewältigen

Marc Neller

Wie ein Westberliner die Stadt erleben kann

Es fing damit an, dass dort, wo Tatort stehen sollte, nicht Tatort stand: im Fernsehprogramm, 20 Uhr 15. Tatort gehört zum Sonntag wie Frühstück mit ausgiebiger Zeitungslektüre. So sehr, dass man irgendwann vergisst, wann ein Tatort kommt und wann Polizeiruf.

Ich dachte kurz daran, die 110 zu wählen, um zu fragen, was nun zu tun sei. Dann fiel mir ein, dass mich Weite beruhigt. Und dass ich sowieso seit längerer Zeit mal wieder ins Planetarium gehen wollte. Also Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Berg. Die große Tour durch die Welt der Planeten. Die große Tour erwecke „den Eindruck eines Raumfluges durch die faszinierende Welt der Planeten mit Zwischenlandungen auf Venus und Mars“, verheißt das Planetarium auf seiner Internetseite. Genau das Richtige. Der Planetariumsprojektor wirft einen gestirnten Himmel mit mehr als 9000 Sternen oder astronomische Phänomene in die Planetariumskuppel.

Während der großen Tour durch das künstliche Weltall sagte der Sprecher schlichte, bedeutsam klingende Sätze wie: „Das Sonnensystem ist die engere Heimat des Menschen im Weltall. Wie die Erde ziehen die anderen Planeten ihre elliptische Bahn um die Sonne.“ Ich fand, dass das ein schönes Bild für meine Sonntage war. Tatort: Sonne, ich: Erde. Der natürliche Lauf der Dinge. Auf Anhieb fielen mir eine Reihe befreundeter, anderer Planeten ein, die auf ähnlich rätselhafte Weise um den Tatort kreiseln wie ich. Man muss sich gut im Kinoprogramm auskennen, um sie aus dem Haus zu locken.

Nach 55 Minuten ist die große Tour zu Ende. Sie war lehrreich und lustig. Das Spaceshuttle auf der Leinwand sieht etwas hilflos aus, eine Animation wie in alten Kinderfilmen. Leider habe ich einen Teil der Informationen über das Planetensystem schnell wieder vergessen, obwohl sie mich interessierten. Dafür las ich beim Rausgehen auf einem Plakat, dass in den kommenden Wochen Startrek-Folgen im Planetarium zu sehen sind. Mittwochs, zum Glück.

Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin, Tel: 4218 4512; www.astw.de.

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