Wohnen : Hinter Flügeltüren

Wer in einem Gründerzeit-Altbau lebt, kann sich oft über große Zimmer freuen. Doch die schönen Wohnungen sind häufig schwer einzurichten.

Stuck, hohe Decken, Dielenböden und Flügeltüren machen Altbauwohnungen bei Wohnungssuchenden in Berlin begehrt. Die charaktervollen Räume erzählen von vergangenen Zeiten und geben ein Gefühl von Freiheit, weiß Inga Ganzer vom Innenarchitekturbüro Raumdeuter in Kreuzberg. Sie kennt aber auch die Tücken, mit denen sich die Bewohner herumschlagen müssen: Das Anbringen eines einfachen Regals kann zum Problem werden. Noch komplizierter ist es in den Decken: Um eine Lampe sicher zu befestigen, sind möglicherweise mehrere Versuche nötig, damit der Haken auch wirklich stabil hält.
Meist betritt man die Wohnung durch eine verzierte Flügeltür. Die Zimmer gehen – besonders im Seitenflügeltrakt – häufig von einem ellenlangen Flur ab. Diesen dunklen Schlauch kann man laut Inga Ganzer mit Bildern an den Wänden in eine Galerie verwandeln. Wenn in der Breite ausreichend Platz ist, dann eignet er sich auch als Bibliothek. Optisch kürzer wirkt der Flur mit einem auffälligen Bild oder einer farbigen Wand an der Stirnseite. Manchmal ist am Ende des Flurs nach der letzten Zimmertür auch noch Platz, den man in einen Schrank umwandeln kann, zum Beispiel für Jacken und Schuhe. „Die hohen Decken in Altbauten haben den Vorteil, dass man auch nach oben hin viel Stauraum hat“, sagt Inga Ganzer.
Zur Straße hin befinden sich die ehemals repräsentativen Wohn- und Empfangsräume. Sie sind oft sehr großzügig und durch Flügel- oder Schiebetüren verbunden. Das weite Raumgefühl macht für viele Menschen den Reiz von Altbauwohnungen aus. Mit Hilfe von Podesten und eingezogenen Ebenen lässt sich die Höhe optimal ausnutzen. Inga Ganzer schlägt zudem vor, mit unterschiedlichen Farben zu arbeiten, um die Höhe des Raumes optisch zu gliedern. „Historisch waren die Wände selten weiß und oft traditionell in Sockel, Wandfläche und Fries aufgeteilt“, sagt die Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur. So könne man unten bis zu einer Höhe von etwa 90 Zentimetern einen dunkleren Ton auftragen. Ein weiterer, hellerer Farbton könnte bis 30 oder 40 Zentimeter unter den Stuck oder auch bis an ihn heran reichen. Fries, Stuck und Decke werden dann weiß gestrichen.
Weil die Räume so groß sind, müssen sie oft mehrere Funktionen erfüllen. So kann einer zum Schlafen und Arbeiten dienen oder Ess- und Wohnzimmer in einem Raum zusammengelegt werden.
Moderne, gradlinige Möbel sehen in stuckverzierten Räumen nach Inga Ganzers Erfahrung sehr gut aus. Sie bilden einen spannenden Kontrast zu den schnörkligen Formen des Stucks, der Türklinken oder Fenstergriffe. „Natürlich kann man die Wohnungen aber auch wie früher mit Stilmöbeln einrichten und damit den verspielten Charakter der Häuser aufgreifen“, sagt sie.

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