Wohnen : Kleiner Freund
des Sofas

Der Couchtisch führte viele Jahre ein Schattendasein in unseren Wohnungen. Doch Designer machen aus ihm einen funktionalen Alleskönner.

Zeitungen, Teetassen, Fernbedienungen, Blumenvasen, Handys, Notizzettel, Stifte, Füße und natürlich „Coffee Table Books“: Die Liste von Dingen, die auf einem Couchtisch ablegt werden, lässt sich fast unendlich erweitern. Doch er ist weit mehr als nur eine Ablagefläche. Oft dient er zusätzlich als Stauraum, wenn zum Beispiel in einem zusätzlichen Fach Magazine gelagert werden.
Trotz seiner vielfältigen Funktionen führt er in der Choreographie des Raumes eher ein Schattendasein, wird seine Erscheinung doch vom raumergreifenden Sofa überschattet. Schon sein Name macht ihn zum bloßen Anhängsel. Doch zunehmend nehmen clevere Designer das Tischchen ins Visier und sorgen dafür, dass er den unterschiedlichen Ansprüchen seiner Nutzer gerecht wird.
Besonders vielseitige Couchtische hat die dänische Firma BoConcept im Programm. Den Tisch „Occa“ gibt es gleich in mehreren Varianten. Seine Tischplatte lässt sich nach oben öffnen und fährt dabei zwei höher gelegene Tische in bequemer Esshöhe aus. Innen ist ein praktisch gegliedertes Aufbewahrungsfach. Nach dem Essen klappt man sie einfach wieder ein. Je nachdem, ob der Tisch zu einem Ecksofa oder zu zwei gegenüber liegenden Sitzgelegenheiten kombiniert werden soll, befinden sich die Klappelemente an der Stirn- oder an der Frontseite.
Höhenverstellbar sind auch die Tische aus der Kollektion „Roger“, die Monica Armani für Moroso entwarf. Die Designerin kann sie sich in Wohnungen ebenso gut vorstellen wie in Hotel-Lobbys und Büros. Sie zeichnen sich durch einen schlichten, ja minimalistischen Stil aus. „Es ist interessant, wie man eines der am häufigsten gestalteten Objekte immer wieder neu überdenken und erfinden kann“, sinniert sie.
Tatsächlich gibt es Beistelltischchen schon seit dem 19. Jahrhundert. Britische Historiker vermuten, dass er im Viktorianischen Zeitalter Einzug in die Wohnzimmer erhielt. Viele Modelle wurden nachträglich auf alt getrimmt, sodass man vermuten könnte, es gäbe sie schon länger. Der niedrige Tisch befand sich oft im Salon – meist der einzige Raum, in dem geheizt wurde. Dank seiner niedrigen Höhe versperrte er nicht den Blick auf den Kamin und die Wärme konnte sich ungehindert im Raum verteilen. Er diente als Abstellfläche für Tee und Kaffee und kam so auch zu seinem englischen Namen.
Seit der Einführung des Fernsehens kam den Tischen eine völlig neue Bedeutung zu. Sie wurden zum zweiten Esstisch. Um den Blick auf den Bildschirm nicht zu verstellen, schrumpften sie auf Wadenhöhe, um auch mit Gläsern und Kannen gedeckt noch den Blick auf die Mattscheibe freizugeben. Viele Modelle sind inzwischen in der Höhe verstellbar, sodass sie zum Essen hoch und anschließend wieder runter gefahren werden können.
Das organisch, asymmetrisch geformte Nierentischchen zog in den 50er-Jahren in die Wohnzimmer ein. Er war oft mit Resopal oder einem Mosaik besetzt. Noch heute lassen sich Designer von seiner Form inspirieren. In diesem Jahr stellte zum Beispiel das Londoner Designbüro Fredrikson Stallard seinen Tisch „Waterfall“ für Driade vor. Der in knalligen Farben gehaltene Kunststofftisch stiehlt jedem Sofa die Show. Er wird vom Designer mehr als Kunstobjekt als als Gebrauchsgegenstand betrachtet.
Eine ungewöhnliche Form hat der Couchtisch „Aura“ von Gino Carollo für Bonaldo. Doch der eigentliche Witz ist, dass er von innen leuchtet. Der Korpus besteht aus lackiertem Polyurethan, die Platte aus geätztem Glas. Innen befinden sich LED-Leuchten. Nach der Vorstellung des Designers muss sich der Tisch nicht zwingend vor einem Sofa befinden. Er kann auch daneben stehen und auf diese Weise eine dunkle Zimmerecke ins rechte Licht rücken.
Auch der Tisch „Combo“ von Lema bietet seinem Nutzer jede Menge Gestaltungsspielraum. Er besteht aus vier verschiedenen Teilen, die zu einer geometrischen Form zusammengeschoben werden, aber auch für sich stehen können.
Von einer wahren Tisch-Architektur kann man bei dem Modell „Paris – Seoul“ von Poliform sprechen. Seine komplexe Form wird durch den farbigen Unterbau zusätzlich hervorgehoben. „Paris – Seoul“ wurde passend zur gleichnamigen Sofaserie entworfen. Den eher langweiligen Sitzmöbeln verleiht der Tisch erst ihren unverwechselbaren Charakter – und ist damit deutlich mehr als ein unwichtiges Anhängsel.

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