Wohnen : Skulpturen im Raum

Jean-Pierre Audebert entwirft für das belgische Label Jori Sitzmöbel, die mehr sind als nur ein Möbel. „Pegasus“ und Ascot“ wirken wie Kunstwerke und ziehen neugierige Blicke auf sich.

Einem Sessel wird oft mal eben das Etikett „Skulptur“ angehängt, je nachdem, wie er im Raum wahrgenommen wird, beziehungsweise wirkt. Der „Pegasus“ (Jori) von Jean-Pierre Audebert trägt dieses Etikett zu Recht, zumindest in einer der vier Varianten, die es von ihm gibt. Um einen runden, nach unten konisch zulaufenden Hocker schmiegt sich eine ausladende Rückenlehne, die sich in der interessantesten Variante von einer Seite zur anderen ausladend asymmetrisch in die Höhe schraubt.
Der Sessel wirkt unterschiedlich, je nachdem, wo man steht und auch je nachdem, wie man ihn „besitzt“. Die sich nach oben öffnende, ansteigende Rückenlehne bietet unterschiedliche Unterstützung. Die Rückenlehne aus Leder ist beidseitig vertikal gesteppt, man kann Innen und Außen in verschiedenfarbigen Ledersorten wählen. Der Sessel ist drehbar und blendet die Umwelt wohltuend aus, vor allem in der gleichmäßigen Variante als Hochlehner.
Wer in diesem Sessel ein Buch liest, vergisst die Umwelt und wird von dieser auch nicht mehr wahrgenommen. Eine Art Rückenwurst stützt angenehm im Lendenbereich und dient dazu noch als Armlehne. Diese hohe Rückenlehne gibt es wiederum in zwei Varianten: eine gleichmäßige und eine asymmetrische, bei der die vorderen Enden hochgezogen sind und die Lehne nach hinten ein wenig niedriger wird. Eine niedrige Variante mit großem Kissen ist ebenfalls lieferbar, ebenso wie der dazugehörige Hocker, der den Kern des Möbels noch einmal aufnimmt.
„Pegasus“ als Raumskulptur verlangt Platz – und Aufmerksamkeit – sonst kann er seine Wirkung nicht entfalten. Ein bequemer Rückzugsort für diejenigen, die innerhalb eines Raumes einmal abschalten und zu sich finden oder ein Buch in Ruhe lesen wollen.
Ein weiterer, skulpturaler Blickfang von Jean-Pierre Audebert ist der Sessel „Ascot“, der allein schon durch sein Aussehen fasziniert. Der Name weckt nicht zufällig Assoziationen zu dem berühmten Pferderennen, denn „Ascot“ zeichnet sich durch eine raffinierte Lederverarbeitung aus. In eine schräg gestellte Platte, die unten nach hinten wegklappt, ist eine fast runde Sitzfläche eingelassen, deren Rückenlehne perforiert ist und an einen stilisierten Baum denken lässt.
Diese Struktur besteht aus Formholz und ist auf beiden Seiten mit 3,5 Millimeter dickem Sattelleder bezogen. Gerade an der Verkleidung des perforierten Musters der Rückenlehne zeigt sich die hohe Handwerkskunst von Jori in der Lederverarbeitung. Ein Freischwinger, der wirklich auch Objekt sein will.
Deutlich weniger dominant im Raum ist das neue Sofa „Milton“, das ebenfalls von Jean-Pierre Audebert für das belgische Label Jori entworfen wurde. Ein fast feminines Sofa, fein, zartgliedrig, der ganze Korpus scheint auf sehr reduzierten Füßen zu schweben, die Seitenlehnen sind auffallend schmal und weiten sich ein wenig nach oben, die Rückenlehne federt leicht. Rücken-und Seitenteile sind dezent nach außen gebogen, der Lederbezug ist mit senkrechten Ziernähten unterteilt. Als Zubehör werden vom Hersteller die beiden großen Kissen zur Erhöhung des Sitzkomforts dringend empfohlen. Für kleine Räume ein angenehmes Sofa, das nicht sofort schreit „Hallo, hier bin ich!“
Es ist in vier Breiten lieferbar, von den bescheidenen 170 Zentimetern bis zu den 240 Zentimetern. Dann allerdings ist auch dieses Sofa nicht mehr zu übersehen. Es kann auch über Eck verbaut werden. Praktisch ist, dass die Standardsitzhöhe um einen oder drei Zentimeter variiert werden kann. Das hört sich wenig an, aber drei Zentimeter höher können in fortgeschrittenem Alter als angenehm erfahren werden, wenn es um das Aufstehen geht. Jean-Pierre Audebert, Innenarchitekt und Designer aus Frankreich, hat auch für den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV Objekte entworfen. Er weiß, was der Nutzer von einem Sitzmöbel erwartet.

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