Zeitung Heute : Wohnmobile: Wo der Strom seine Kreise zieht

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Die Stromversorgung nimmt im Wohnmobil eine Schlüsselstellung ein - ohne Saft geht fast nichts. Keine Pumpe fördert Wasser, die elektronische Regelung der Heizung streikt zusammen mit dem Gebläse, und der Motor lässt sich nicht mehr anlassen. Damit der Totalzusammenbruch der Energieversorgung nicht Realität wird, gibt es in einem Wohnmobil mindestens drei verschiedene elektrische Systeme.

Dabei genießt die Stromversorgung für das eigentliche Fahrzeug absolute Priorität. Ihre Batterie, zum Starten des Motors unbedingt erforderlich, wird nicht bis zum Zusammenbruch für die Versorgung des Wohnraumes herangezogen. Dafür sorgt ein zweiter Akku. Während der Fahrt wird er zusammen mit der Fahrzeugbatterie von der Lichtmaschine des Motors aufgeladen. Sobald der Motor steht, trennt ein spezielles Relais die Fahrzeugbatterie von dem Stromkreis des Wohnteils. Die Starterbatterie kann daher nicht entladen werden, ein Anlassen des Motors bleibt deshalb auch nach einigen Tagen problemlos möglich.

Der Ladezustand der beiden Batterien lässt sich mit einem Voltmeter überwachen. Solche Spannungsmesser sind in den besseren Info-Paneelen enthalten. Es reicht aber auch ein schlichter Akkutester aus dem Zubehörhandel, mit dem der Ladezustand der einzelnen Batterien gemessen wird. Zur Sicherheit kann ein Zwischenschalter die Batterie im Wohnbereich mit vor schädigender Tiefentladung und gleichzeitig empfindliche Geräte vor Unterspannung schützen.

Als zweite Batterie kommt kein gewöhnlicher Starter-Bleisammler in Frage, denn die sind auf das Bereitstellen kurzer hoher Startströme, weniger als Dauerenergiespender ausgelegt. Spezielle Bordnetzakkus kommen mit der Langzeitentnahme geringer Ströme wesentlich besser zurecht. Die zweite Bordbatterie sollte für Kompaktfahrzeuge in der Leistung nicht unter 60 Ampèrestunden (Ah) liegen. Da die Anzahl der möglichen Verbraucher in einem Wohnmobil beträchtlich ist, gilt für Alkovenfahrzeuge eine Batterieleistung von 80 Ah als Minimum. Mit einer größeren Batterie ist man immer auf der sicheren Seite. Wer auch im Winter unterwegs sein will, muss bedenken, dass bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nur noch etwa die halbe Batteriekapazität zur Verfügung steht.

Vorteilhaft ist es, auch im Zwölf-Volt-System jeden Verbraucher einzeln abzusichern. Sonst bricht bei einer Havarie (der Kurzschluss lauert überall) gleich das gesamte Stromnetz zusammen. Für den Fall der Fälle ist es wichtig, die einzelnen Sicherungen genau zu beschriften. Das erspart gerade im Dunkeln viel ärgerliches Suchen.

Das dritte System ist eine normale 230 Volt Elektroanlage. Sie wird in der Zivilisation, auf Campingplätzen, über einen dreipoligen CEE-Außenanschluss und ein Verlängerungskabel betrieben und kann auch das Ladegerät für den Zwölf-Volt-Stromkreis speisen. Bei einem längeren Halt auf einem Campingplatz muss die Batterie für den Wohnbereich nämlich regelmäßig nachgeladen werden. Der Motor kann das nicht übernehmen, so lange könnte man ihn selbst bei gutwilligen Nachbarn nicht laufenlassen. Diese regelmäßige Auf- und Nachladefunktion sollte man einem automatischen Ladegerät überlassen. Es verhindert selbstständig ein schädigendes Überladen der zweiten Batterie. Ein Ladestrom von sieben bis 15 Ampère reicht völlig.

Fern ab von allen elektrischen Nabelschnüren können auch Solarpaneele die Batterie aufladen. Das dauert jedoch wesentlich länger. Ein Solarmodul von 50 Watt Leistung erzeugt etwa einen Ladestrom von drei Ampère. Das reicht kaum aus, den Energieverbrauch zu kompensieren, streckt die Stromreserven jedoch. Der Vorteil: Eine Solaranlage lädt die Batterie das ganze Jahr über nach (wenn der Wagen nicht gerade in dauerdunkler Scheune steht).

Moderne Solarmodule sind nur sieben Millimeter dick. Sie werden einfach aufs Dach des Wohnmobils geklebt, Bohrungen sind nicht erforderlich. Ein Flachbandanschlusskabel passt durch kleine Fugen und kann durch schon vorhandene Dichtungen hindurch geschoben werden. Auch aufgeklebte Zellen sind diebstahlfest und sogar begehbar.

Für die Solarzellen geben die Hersteller in der Regel eine Leistungsgarantie von zehn Jahren. Einschließlich Klebstoff kosten zwei 50-Watt-Module etwa 1600 Mark. Das ist nicht gerade billig, doch für eine unter allen Bedingungen völlig unabhängig arbeitende Stromversorgung ist das eine nicht nur brauchbare, sondern gute Lösung. Die Solarzellen können übrigens nicht direkt an die Verbraucher angeschlossen werden. Über ein Ladegerät wird die Sonnenenergie wiederum in einer Zwölf-Volt-Batterie gespeichert und von da aus weitergegeben.

Das macht allerdings ein zusätzliches - das Vierte - Stromsystem notwendig. Denn für Solarzellen wird ein spezieller Akku gebraucht. Er hat einen besonders hohen Wirkungsgrad selbst bei geringen Ladeströmen und ist auf eine hohe Zahl von Ladezyklen ausgelegt. Ein Laderegler (er kostet 200 bis 300 Mark) schützt dabei die Batterie je nach Anforderung vor Über- und Tiefentladung. Teurere Geräte verfügen darüber hinaus über eine Kapazitätsanzeige. Bis zur Zwölf-Volt-Steckdose kostet die ganze Solaranlage so um die 2200 Mark.

Doch zurück zum 230-Volt-Netz. In Wohnmobilen sind grundsätzlich nur flexible, aus mehreren Kupferadern bestehende Kabel erlaubt, um einer Bruchgefahr vorzubeugen. Ebenso muss man immer dreiadrige Leitungen mit einem Schutzleiter verlegen. Leitungen für zwölf und 230 Volt dürfen aus Sicherheitsgründen nicht zusammen in einem Kabelkanal verlegt werden. Wer in seinem Wohnmobil nur 230-Volt-Kabel mit einem Aderquerschnitt von 2,5 Quadratmillimetern einsetzt, braucht laut Gesetzgeber keine zusätzliche Absicherung.

Trotzdem empfehlen wir, in jedem Wohnmobil das 230-Volt-System mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schalter) zu sichern. Solche Schutzschalter unterbrechen die Stromzufuhr schon bei Fehlern, die einem Menschen noch nicht gefährlich werden können. Das ist besonders wichtig, da gerade im Ausland nicht alle Campingplätze vorschriftsmäßig abgesichert sind.

In Nassräumen mit Dusche dürfen übrigens 230-Volt-Kabel nicht verlegt werden. Die Steckdose für den Rasierer muss also in der Küche bleiben. Das gleiche gilt auch für Zwölf-Volt-Transistorlampen, es sei denn, sie sind speziell für Feuchträume konstruiert.

Ganz ohne Stromeinspeisung von außen kommt aus, wer einen Generator besitzt. Damit können auch die Bordbatterien ständig nachgeladen werden. In den letzten Jahren sind solche Stromerzeuger kleiner, leichter und - ganz wichtig - leiser geworden. Sie lassen sich in einem Staufach einbauen und sind dann mit einer zusätzlichen Dämmung kaum noch zu hören. Allerdings trifft das nur auf benzinbetriebene Aggregate zu. Dieselgeneratoren sind laut, groß und teuer.

Da fast alle Wohnmobile von einem sparsamen Diesel getrieben werden, wird man für das kleine Kraftwerk einen Zusatztank brauchen. Doch keine Angst: Solche Tanks aus speziellem Kunststoff sind platzsparend und leicht zu montieren. Einbaugeneratoren haben aber auch ihren Preis - unter 5000 Mark kommt man da kaum weg.

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