Zeitung Heute : Wohnparks: Eine Stadt am Wasser mit Häusern wie in Amsterdam

Harald Olkus

"Wohnpark? Wir haben hier keinen Wohnpark", behauptet Uli Hellweg, Geschäftsführer der landeseigenen Wasserstadt GmbH, dem Entwicklungsträger der Spandauer Oberhavel und der Rummelsburger Bucht. Vielmehr soll mit den eigens für die beiden Gebiete entworfenen neuen Haustypen unter dem Etikett "Berlin Terrace" eine Alternative zu den stereotypen Wohnparks im Umland geboten werden. Die "Terraces" sollen die Entwicklung an der Rummelsburger Bucht ein gutes Stück voranbringen. "Wir haben ein neues, attraktives Produkt und wir haben auch die entsprechende Nachfrage", sagt Hellweg.

Zum Entwicklungsgebiet erklärte der Senat das 130 Hektar große Gelände am östlichen Rand der Innenstadt schon 1992. Der einstige Industriestandort soll sich in ein attraktives Mischgebiet für Wohnen und Dienstleistung am Wasser wandeln. Insgesamt sind rund um die Bucht 5700 Wohnungen geplant. Doch bisher sind erst ein Drittel der Wohnhäuser fertiggestellt, befinden sich noch im Bau oder stehen kurz vor Baubeginn. Zehn verschiedene Baugebiete sind ausgewiesen worden: darunter Grundstücke für Stadtvillen und zwei Wohnparks.

Auf der Stralauer Halbinsel gruppiert sich rund um eine denkmalgeschützte Palmkernölmühle der "Wohnpark Stralau". Die von der Viterra Baupartner errichteten 450 Wohnungen sind bis auf 20 alle vermietet oder verkauft. Die Mietwohnungen kosten je nach Lage 16 bis 18 Mark pro Quadratmeter, die Eigentumswohnungen im Schnitt 3500 Mark. Unzufrieden sind die Bewohner allerdings mit der Infrastruktur. Auf der Halbinsel gibt es kaum Geschäfte oder Gastronomie. "Die Gewerbetreibenden halten sich noch zurück", sagt Helmut Bayer, Niederlassungsleiter der Viterra. Um mehr Leben auf die Halbinsel zu bringen, will die Viterra die Gewerbeflächen jetzt an "Pioniernutzer" vergeben: Künstler können sie als Ateliers nutzen und müssen dabei nur für die Nebenkosten aufkommen. In zwei Jahren will man die Mieten auf normales Niveau anheben. Das müssen dann auch die "Pioniere" bezahlen - oder wieder gehen.

Ein anderes Infrastrukturproblem verhinderte bisher die Umwandlung der alten Ölmühle in edle Lofts: der Mangel an Parkplätzen. "Es ist zwar noch genug Platz auf der Insel", sagt Bayer. "Aber nicht da, wo er gebraucht wird." Zum Beispiel am dicht bebauten Speicherplatz, denn wer mehr als 5000 Mark pro Quadratmeter ausgeben soll, will nicht weit zu seinem Auto laufen. Dies habe der Bezirk, der ursprünglich die gesamte Halbinsel autofrei halten wollte, nun "eingesehen" und dem Bau einer Tiefgarage unter dem Speicherplatz zugestimmt.

Den mangelhaften Einkaufsmöglichkeiten auf der Halbinsel will noch ein weiterer Bauträger abhelfen. Die Pandion Projektentwicklung errichtet neben 61 Wohnungen auch 900 Quadratmeter Laden- und Gastronomieflächen. Pandion-Geschäftsführer Frank Lotz will dafür hochwertige Mieter wie Wein- und Feinkostläden finden, denn abgesehen von einem geplanten zweiten Wohnpark am alten Flaschenturm denken die Bauträger auf der Halbinsel eher an "exklusives Wohnen in Stadtvillen".

Nicht Stadtvillen, sondern Reihenhäuser will die Ziel Baubetreuungs Gmbh unter dem Namen "Rummelsburg II" errichten. Etwa 40 drei- bis fünfgeschossige Häuser sollen es auf dem ersten Baufeld werden, so der Projektleiter Siegfried Keller. Das kleinste ist fünf Meter breit, hat rund 135 Quadratmeter Wohnfläche und kostet 499 000 Mark. Vorbild für diesen Haustyp sind unter anderem die Grachtenhäuser in Amsterdam. Die Häuserbreiten können hier vor Baubeginn variiert werden, damit sowohl Singles, Paare als auch Familien sie nutzen können. Insgesamt sollen drei Baufelder mit je 40 Terraces bebaut werden. Zum Zug kommen sollen auch private Baugruppen. Mehrere Initiativen hätten bereits konkrete Entwürfe vorgestellt, sagt Wasserstadt-Geschäftsführer Hellweg.

Zu den für Terraces vorgesehenen Baufeldern gehört auch das Grundstück des ehemaligen Friedrichs-Waisenhauses, auf dem als Schmuckstücke noch die historischen Knabenhäuser stehen. Für sie sucht die Wasserstadt noch nach dem meistbietenden Interessenten. Auch die 19 roten Backsteingebäude des ehemaligen preußischen Arbeitshauses nebenan werden nur teilweise genutzt. Sie würden sich als Standort für eine private Universität oder als "Headquarter" eines internationalen Konzerns oder Medienbetriebes eignen, meint man bei der Wasserstadt. Falls das nicht klappt, könnte das frühere Gefängnis ebenfalls in Terraces umgewandelt werden. Die architektonische Umsetzung dafür hat die Wasserstadt schon mal erarbeiten lassen.

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