Zeitung Heute : Wohnparks: Schlussverkauf in Stahnsdorf

Jörn Pestlin

Gibt es für den Großflughafen Berlin-Brandenburg einen neuen Standort? Auf diesen Gedanken könnte man beim Lesen von Immobilienanzeigen für das Grashüpferviertel in Stahnsdorf kommen. Dort offeriert die Bavaria Objekt- und Baubetreuung GmbH Reihenhäuser und Eigentumswohnungen mit Preisnachlässen von bis zu 90 000 Mark. Statt 389 000 Mark kostet ein Reihenmittelhaus mit rund 100 Quadratmetern Wohnfläche, Ausbaureserve im Dachgeschoss und zwei PKW-Stellplätzen nur noch 299 000 Mark.

Das von der Politik lange geforderte 300 000-Mark-Haus ist hier Realität geworden. Und das in ansprechender Lage - ein paar Kilometer hinter der Zehlendorfer Stadtgrenze. Ein Grünzug mit Naturlehrpfad und ein schmaler künstlicher Wasserlauf begrenzen die Wohnanlagen nach Westen. Das Grashüpferviertel selbst durchzieht ein kleiner Mischwald. Er trennt den ersten und zweiten Bauabschnitt voneinander. Eigentlich sollte hier die Trasse der S-Bahn-Linie nach Stahnsdorf verlaufen. "Dieses Projekt ist aber längst tot", sagt Olaf Grohmer, Vertriebsleiter der Bavaria.

Nein, mit der Krise und dem Finanzbedarf der Bankgesellschaft Berlin - sie ist an dem Grashüpferviertel beteiligt - hätten die üppigen Preisnachlässe nichts zu tun, versichert Rainer Rennspieß, Geschäftsführer der Gartenstadt Stahnsdorf GmbH & Co. Projektentwicklungs KG. "Wir wollen im Grashüpferviertel mit der Entwicklung und Vermarktung des dritten Bauabschnitts beginnen", erklärt er, "vorher müssen wir aber noch unsere Lager räumen". Und das erfordere auch ungewöhnliche Maßnahmen, "denn der Vertrieb des Wohnparks stand ein Jahr lang nahezu still." Die Konkurrenz war billiger. Eine Preissenkung war daher die logische - und erfolgreiche - Konsequenz. "Es gibt bereits erste Notartermine und zahlreiche Reservierungen", sagt Grohmer.

Trotz des kurzfristigen Vermarktungserfolges will der Projektentwickler das Konzept für den nächsten Bauabschnitt aber auf jeden Fall ändern. "Wir müssen auf den Markt reagieren", sagt Rennspieß. "Deshalb werden wir keine Geschosswohnungen und Reihenhäuser mehr bauen." Seine Überlegungen gehen in Richtung Doppelhäuser oder freistehende Einfamilienhäuser mit großzügigeren Grundstücken. Er könnte es sich auch vorstellen, erschlossenes Bauland zu verkaufen. Dort könnten sich private Bauherren dann ein Haus - ganz nach Gusto - bauen oder bauen lassen. Zuvor muss die Gemeinde aber erst noch einer Änderung des Bebauungsplans zustimmen. Die Verhandlungen laufen noch.

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