Zeitung Heute : Wohnparks: Vorbesitzer mit klangvollen Namen

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Bevor das im 15. Jahrhundert von der Familie Rochow erbaute Gut Groß Behnitz in die Hände der Familie Borsig kam, wechselte es mehrfach den Besitzer.

1866 verkaufte der von Spielschulden gedrückte Joseph Carl von Itzenplitz für 450 000 Taler das Gut an Julius Borsig. Dessen Vater hatte mit dem Bau von Eisenbahnen nicht nur die Industrialisierung Preußens vorangetrieben, sondern auch den Grundstein für Ruhm und Reichtum der Familie Borsig gelegt.

Der neue Besitzer beauftragte den Baumeister Gramzow mit umfangreichen Um- und Neubauten in Groß Behnitz. Die heute das Bild der Gutsanlage noch immer prägenden roten Backsteingebäude stammen aus dieser Zeit. Die beiden markanten Trophäen auf dem Portal der Gutsanlage waren für die Borsigs mehr als repräsentative Zierde - sie symbolisieren die Herkunft der Familie. Als die Berliner Stadtverwaltung zwischen 1866 und 1869 die zum Verkehrshindernis gewordene Akzisemauer samt ihren Toren schleifen ließ, kauften die Borsigs zwei spätbarocke Trophäen vom Oranienburger Tor. Denn ganz in der Nähe des Stadttores hatte 1837 ihr Vater August Borsig seine Maschinenbauanstalt gegründet.

Bis 1945 blieb das Gut im Besitz der inzwischen geadelten Familie Borsig. Ernst von Borsig - der letzte Gutsherr von Groß Behnitz - starb nach seiner Deportation im September 1945 in einem russischen Gefangenenlager. Er hatte sich nach der Besetzung von Groß Behnitz durch die Rote Armee geweigert, sein Gut zu verlassen aber auch seine Verbindungen zum Kreisauer Kreis verschwiegen. Zählte sein Vater in den 20er Jahren noch zu den Finanziers Adolf Hitlers, sympathisierte Ernst von Borsig mit der Widerstandsgruppe um die Ehepaare von Moltke und Yorck von Wartenburg. Eine kleine Tafel am Portal erinnert heute an die Treffen des Kreisauer Kreises auf dem Borsig-Gut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gutsschloss als Flüchtlingsquartier. Im Sommer 1947 brach beim illegalen Schnapsbrennen auf dem Dachboden ein Feuer aus und verursachte große Schäden an dem Gebäude. Später wurde die Brandruine vollständig abgetragen. Die Wirtschaftsgebäude aus der frühen Borsig-Ära blieben vom Feuer verschont. 40 Jahre sozialistische Land- und Mangelwirtschaft und zehn Jahre Leerstand nach der Wende haben dem einzigartigen architektonischen Zeugnis der preußischen Industrialisierung der Landwirtschaft aber arg zugesetzt.

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