Zeitung Heute : Wolfgang Bosbach?

Cordula Eubel

„Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Wolfgang Bosbach (CDU) könnte nach der Wahl vielleicht Fraktionsvorsitzender werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.

AMT: Der Fraktionsvorsitz ist ein zentraler Posten im Machtgefüge einer neuen Regierung, der sorgsam besetzt werden will. Wird Angela Merkel Kanzlerin, dann braucht sie im Parlament in der ersten Reihe jemanden, dem sie vertrauen kann und der ihr stabile Mehrheiten für ihre Politik sichert. Der künftige Fraktionsvorsitzende muss nicht nur loyal sein, sondern auch bei den Abgeordneten von CDU und CSU als Autorität respektiert werden. Angesichts einer Opposition, in der vermutlich geübte Rhetoriker wie Joschka Fischer, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi attackieren werden, braucht Merkel außerdem jemanden, der die Angriffe gut kontern kann. Bosbach gehört zu den CDU-Politikern, die in der Vergangenheit loyal zu Merkel gestanden haben. Parlamentarische Erfahrung hat der 53-Jährige zur Genüge gesammelt: Seit 1994 gehört er dem Deutschen Bundestag an, derzeit ist er Fraktionsvize für Inneres und Recht.

AMBITIONEN: Bosbach gehört nicht zu den Abgeordneten, die sich auf den hinteren Bänken im Bundestag verstecken. Dem Zuwanderungsexperten wurde auch schon nachgesagt, er interessiere sich für das Amt als Innenminister. Mit dem bayerischen Innenminister Günther Beckstein hat er jedoch auf diesem Feld eine fast unschlagbare Konkurrenz.

AUSSICHTEN: Wenn es in der Fraktion Posten zu verteilen gibt, gehört der gut gelaunte Rechtsanwalt aus dem Bergischen zu denen, die immer mal wieder genannt werden. Allerdings gilt Bosbach manchen in der Fraktion als zu wankelmütig.

WAHRSCHEINLICHKEIT: Merkel wird an dieser zentralen Stelle vermutlich doch eher auf erfahrene Strippenzieher setzen – zum Beispiel auf ihren jetzigen Generalsekretär Volker Kauder.

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