Zeitung Heute : „Wolfgang Overath hat mich angepflaumt“

Das waren noch Zeiten: 1966 fuhr Carl van der Walle mit seinem Vater zur WM nach England und durfte die deutsche Mannschaft in ihrem Quartier fotografieren. Bei der DASA in Dortmund stellt er nun die besten Fotos von damals aus.

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Carl van der Walle, als 16-Jähriger zur WM nach England zu reisen, muss ein großartiges Erlebnis sein.

Das war eine Sensation für mich. Wir waren insgesamt zwei Wochen in England und haben bei den Gruppenspielen auf einem Zeltplatz in der Nähe von Sheffield übernachtet, wo auch die deutsche Mannschaft Quartier hatte.

Die deutsche Mannschaft wird heute rund um die Uhr bewacht. Ein großer Unterschied zu 1966?

Schon, wir sind einfach ins Quartier hineingegangen. Es gab jedoch auch Spieler, die haben nicht so gern gesehen, dass man im Quartier auftauchte. Wolfgang Overath hat mich sogar angepflaumt.

Lothar Emmerich hingegen scheint guter Laune zu sein.

Den habe ich einfach um ein Bild gebeten, und er hat geduldig gewartet, bis ich an meiner Kamera fertig gefummelt hatte, und andere Spieler angefeuert. Deshalb schreit er auf dem Bild auch.

Und Bundestrainer Helmut Schön. Hat der Sie nicht hinausgejagt?

Ich hab Helmut Schön als sympathischen Menschen kennen gelernt. Er hat mich sogar gefragt, ob ich schon alle Autogramme hätte. Bis auf Willi Schulz und Siggi Held war das auch der Fall. Das waren sture Vögel, aber mein Vater hat sie mir dann über Detmar Cramer besorgt.

War Emmerich Ihr Lieblingsspieler?

Ich fand ihn wegen seiner unglaublichen Tore toll. Vor allem die Buden, die er im Europapokal gemacht hat. Ansonsten habe ich die Spielweise von Franz Beckenbauer bewundert.

Und heute?

In der deutschen Mannschaft imponieren mit Torsten Frings und Miroslav Klose. Klose ist auch menschlich ein feiner Typ, mit dem kann man sich auch mal beim Training unterhalten.

Das Gespräch führte

Phillip Bittner.

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