WOODY-ALLEN-KOMÖDIE„Whatever works“ : Wiedersehensfreude

Nadine Lange

Boris Yellnikoff ist schon nach wenigen Minuten wie ein guter alter Bekannter. Denn er gehört zu diesen typischen Woody-Allen-Figuren, die seit Jahrzehnten – vom „Stadtneurotiker“ über „Deconstructing Harry“ bis hin zu „Scoop“ – mit ihrem neurotischen, hypochondrischen oft auch misanthropischen Wesen erfreuen.

Doch etwas ist anders: Woody Allen spielt diesen pensionierten Physiker nicht selbst, sondern er hat dafür Larry David (Foto, links) engagiert. Es ist dessen erste Kinohauptrolle überhaupt. Bekannt wurde David als Ko-Autor der Sitcom „Seinfeld“ und als Protagonist der Fernseh-Serie „Curb Your Enthusiasm“. Als Boris Yellnikoff trifft er in den schnell vorgetragenen Monologen und in den pointenreichen Dialogen genau den charakteristischen Allen-Ton. Auch seine „The Horror, The Horror“-Anfälle sind sehr überzeugend.

Der geschiedene Schlabbersweatshirtträger Yellnikoff trinkt tagsüber mit Freunden Kaffee oder gibt Kindern Schachunterricht. Aber hauptsächlich nörgelt er herum. Als er eines Tages das junge Landei Melody (Evan Rachel Woold, Foto, rechts) vor seiner Tür findet und sie hereinbittet, bringt das seine eingefahrene Eigenbrötlerroutine schrittweise aus dem Konzept. Das extrem naive Mädel zieht bei ihm ein. Sie versteht weder Boris’ Ironie noch seine Vorträge über das Leben, doch sie ist nachhaltig von ihm fasziniert – irgendwie verlieben sie sich ineinander und heiraten sogar.

Die Turbulenzen beginnen, als nacheinander Melodys Mutter und Vater in Boris’ New Yorker Appartement auftauchen. Natürlich sind sie geschockt von der Verbindung der beiden. Allerdings beschäftigen sie sich bald mehr mit der eigenen Selbstfindung als mit der Skandalehe.

Nach vier Filmen in Europa ist Woody Allen für „Whatever works“ ins heimische Manhattan zurückgekehrt. Es ist ein freudiges Wiedersehen in sommerlich warmen Farben und vertrauten Themen. Vieles wirkt so bekannt, weil Allen ein Drehbuch verfilmt, das er schon 1977 geschrieben hat. Die Hauptrolle war auf Zero Mostel zugeschnitten, der jedoch starb, bevor der Film realisiert werden konnte. Mit Larry David gibt es nun einen würdigen Ersatz in dieser vergnüglichen Komödie, die stark vom Dialogwitz und dem Spiel mit den Stereotypen lebt. Einziges Manko: Die Figur der Melody ist doch etwas arg einfältig geraten. Unterhaltsam. Nadine Lange

„Whatever works“, USA 2009, 92 Min., R: Woody Allen, D: Larry David, Evan Rachel Wood

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