Zeitung Heute : Workcamps - für die Helfer eine Lebensschule

Auskunft: Service Civil International (SCI)[Deuts]

Sie forsten den Regenwald von Panama auf, betreuen Waisenkinder in der Ukraine oder renovieren ein Frauenhaus in Burkina Faso. Im Grunde ist es harte Arbeit, die nicht einmal bezahlt wird - und dennoch sind freiwillige Arbeitseinsätze im Ausland bei jungen Menschen beliebt. Bei so genannten Workcamps verrichtet eine internationale Gruppe von Freiwilligen zwischen zwei bis vier Wochen lang gemeinnützige Arbeit.Zu den Organisationen mit dem größten Camp-Angebot zählt der Service Civil International (SCI) mit Zweigstellen in rund 60 Ländern. Allein der deutsche Zweig des SCI in Bonn hat im Jahr 2001 etwa 50 Workcamps in Deutschland organisiert und rund 500 Freiwillige ins Ausland vermittelt.

Jährlich werden vom internationalen Netz der Organisation etwa 20 000 Freiwillige in insgesamt knapp 8000 Camps entsandt. Sie beobachten die Präsidentenwahlen in Weißrussland, organisieren eine Ausstellung in einem ehemaligen italienischen KZ-Lager und verjagen in Japan sogar Affen, die dort die Ernte der Bauern bedrohen. Während Unterkunft und Verpflegung im Camp in der Regel kostenlos sind, müssen die Freiwilligen die Anreisekosten selbst tragen.

"Der klassische Teilnehmer ist politisch interessiert und beherrscht meist mehrere Fremdsprachen", sagt Ulrich Hauke, Geschäftsführer des SCI-Deutscher Zweig in Bonn. Das enge Zusammenleben und gemeinsame Arbeiten mit Einheimischen ermöglicht zudem einen tiefen Einblick in die Kultur und Probleme des Ziellandes. "Die Teilnehmer wollen gerade durch ein Camp das Land und die Menschen eindringlicher kennen lernen", sagt Dorit Köppl vom Verein Jugendlicher Freiwilliger (VJF) in Berlin

Auf ähnlich internationale Kontakte kann auch die Organisation Youth Action for Peace / Christlicher Friedensdienst (YAP-CFD) in Frankfurt / Main zurückgreifen. "Wir können Camps in allen Kontinenten außer in Australien anbieten", sagt Mitarbeiterin Daniela Huhmann. 120 deutsche Freiwillige wurden dieses Jahr "auch als Beitrag zum Abbau von Vorurteilen" ins Ausland vermittelt.

Damit ein Workcamp nicht zum Ferienlager ausartet, wird von allen Organisationen der Wert der Arbeit besonders unterstrichen. Tatsächlich wird den Teilnehmern mit durchschnittlich sechs Stunden Arbeit an fünf Tagen in der Woche einiges abverlangt. "Wir sind kein alternatives Reisebüro", betont Dorit Köppl vom VJF.

Die Teilnehmer müssen sich darauf einrichten, dass es in Afrika bisweilen nur einen halben Eimer voll Wasser zum Duschen gibt. Auch das geeignetes Werkzeug für anstehende Arbeiten fehlt bisweilen. Doch diese Mängel entschädigen meist intensive Erlebnisse mit Land und Leuten: "Es überrascht mich nach wie vor, wie vielschichtig die Erfahrungen sind, die die Freiwilligen machen", sagt Hauke, der bereits seit 15 Jahren für den SCI tätig ist. "Viele Freiwillige sprechen Erfahrungen an, die sie gar nicht in Worte fassen könnten."

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