Zeitung Heute : Würdigung beispielloser Leistungen

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Der 3. Oktober als deutscher Nationalfeiertag ist jung, nämlich 15 Jahre. Kein Alter, verglichen mit den altehrwürdigen Daten anderer Länder. Noch können wir also alle mitformen, wenn es darum geht, wie wir ihn feiern und gestalten. Dazu gehört auch die jährliche Veranstaltung von „Werkstatt Deutschland“ in Berlin, die nun schon im dritten Jahr einen Charakter bekommen hat, der erklärungsbedürftig ist. In den Jahren davor ging es um Zwischenbilanzen der Entwicklung des neuen Gesamtstaates und der neuen Gesamtgesellschaft. Seit 2003 ist der Rahmen durch den Sponsor Vattenfall festlicher geworden, ohne dass die Veranstaltung sich als Teil der EventKultur versteht, in der die Form allmählich die Inhalte erstickt. Die Ehrung von Persönlichkeiten aus dem Aus- und Inland mit der „Quadriga“ folgt der Philosophie, die Offenheit Deutschlands in einer durch die Medien stark vernetzten Welt zu zeigen und Menschen auszuzeichnen, die sich im staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Raum durch beispielgebende Leistungen ausgezeichnet haben. „Werkstatt Deutschland“ unterliegt hier keinen Zwängen, sondern allein Ratschlägen. In diesem Jahr werden es vier Persönlichkeiten beziehungsweise Gruppen sein, die wir für auszeichnungswürdig halten:

– Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl wird für seine Leistung als „Kanzler der Einheit“ ausgezeichnet werden;

– Mit den fünf McCartney-Schwestern wird beispielloser Einsatz für das Recht auf ein terrorfreies Leben in Nordirland gewürdigt;

– Aga Kahn ist zum Inbegriff für den Einsatz privaten Vermögens für Bedürftige in zahlreichen Gesellschaften Asiens und Afrikas geworden;

– Tim Berners-Lee als Schöpfer des World Wide Web soll die Ehrung erfahren, die seiner einzigartigen Leistung angemessen ist.

In der Summe wollen wir an diesem Tag dokumentieren, dass wir in einem weltoffenen Deutschland leben, das die Verengung auf nationale Interessen hinter sich gelassen hat und seine Ressourcen und seinen nationalen Feiertag dazu nutzt, auch international neue Freunde zu gewinnen und Leistungen zu würdigen, die uns allen zugute kommen. Unser Land, dessen Leistungsfähigkeit außerhalb Deutschlands traditionell als höher eingeschätzt wird als im Lande selbst, vergibt sich nichts, Respekt vor den Leistungen von Menschen auch außerhalb unserer Gesellschaft zu zeigen. Ob daraus eine Tradition wird, überlassen wir der Zukunft, die einer Generation gehören wird, der man nur wünschen kann, manche von den Eigenheiten hinter sich zu lassen, die gegenwärtig in unserem Land so prägend sind.

Der Autor ist Erster Vorsitzender der Werkstatt Deutschland e.V.

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