Zeitung Heute : Wunder vom Lerchenberg

Der Tagesspiegel

„Ein kleines samstagnachmittägliches Wunder“ nennt Markus Schächter seine Wahl zum neuen ZDF-Intendanten. Morgens grub er noch seinen Garten um, dann kam ein Anruf, dann warf sich Schächter in einen Anzug, fuhr zum ZDF und war gegen 15 Uhr gewählt. Mit 51 Stimmen, als Konsenskandidat der Freundeskreise von Sozialdemokratie und Union. Der Intendant Schächter steht am Ende eines Prozesses mit drei Wahlterminen, fünf Wahlgängen und 34 Kandidaten-Namen, wie die ZDF-Pressestelle ausgerechnet hat. Die Stimmen und Reaktionen spiegeln die Verzweiflung, die Erleichterung wie das Kalkül, die zum „Wunder vom Lerchenberg“ geführt haben.

„Mit meiner Nominierung habe ich nicht gerechnet. Nach der letzten Wahl (am 18. Januar) wurde nicht mehr mit mir über die Intendanz geredet.“ Markus Schächter, designierter ZDF-Intendant .

„Schächter ist gewählt worden, weil wir heute einen Intendanten wählen wollten.“ Bernhard Vogel, thüringischer Ministerpräsident (CDU) und stellvertretender Vorsitzender im ZDF-Verwaltungsrat.

„Einzig möglicher erreichbarer Nenner.“ Kurt Beck, rheinland-pfälzischer Ministerpräsident (SPD) und Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates .

„Wäre mir als Intendant lieber gewesen.“ Bernhard Vogel über den stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze, der in zwei Wahlgängen gescheitert war.

„Ich glaube, es ist legitim, dass der Fernsehrat alle Möglichkeiten geprüft hat.“ Franz Müntefering, SPD-Generalsekretär und Fernsehratsmitglied, über drei Monate ZDF-Intendantenwahl .

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, darüber wurde überhaupt nicht gesprochen.“ Wilfried Scharnagl, Chef des „schwarzen“ Freundeskreises, über die Absprache mit der SPD, dass die Union das Vorschlagsrecht für Schächters Nachfolger als ZDF-Programmdirektor hat .

„Eine vorzügliche Wahl nach den Wirrungen und teilweise auch Verwirrungen der vergangenen Wochen.“ Konrad Kraske, Chef des Fernsehrates und der Findungskommission „Intendant“ .

„Demokratie ist kein einfaches Geschäft.“ Konrad Kraske zum Wahlmodus der Drei-Fünftel-Mehrheit.

„Es gibt Diskussionsbedarf.“ Konrad Kraske zum künftigen Wahlmodus.

„Ich bin in keiner Partei.“ Markus Schächter, designierter ZDF-Intendant .

„So etwas habe ich noch nirgendwo erlebt.“ Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sport-Bundes und Fernsehratsratsmitglied, der das ZDF noch vor dem fünften und entscheidenden Wahlgang verließ .

„Es ist zu begrüßen, dass der Fernsehrat keinen Vertreter eines kommerziellen Medienkonzerns gewählt hat.“ Reaktion der Gewerkschaft ver.di, nachdem sich Manfred Harnischfeger, Kommunikationschef der Bertelsmann AG, gar nicht erst zur Wahl gestellt hatte .

„Stärkung der Informationsprogramme.“ ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zu seinen Erwartungen an einen Intendanten Schächter.

„Wir in der ARD freuen uns, dass nun die Nachfolge von Dieter Stolte rechtzeitig geregelt worden ist.“ Der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen.

„Wir sind alle erleichtert.“ Ein ZDF-Mitarbeiter .

„Ich habe die Gartenarbeit nicht beenden können.“ Markus Schächter, designierter ZDF-Intendant. .

jbh

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