Zeitung Heute : „Xaver“ wütet über Deutschland

Orkan trifft mit voller Wucht auf NordseeküsteEuropaweit sterben mehrere MenschenSchulpflicht in Berlinam Freitag aufgehoben Regen- und Kaltfronterreicht die Hauptstadt.

Lebensgefährlich. Zwei Männer halten sich am Donnerstag auf dem überfluteten Fähranleger im schleswig-holsteinischen Dagebüll an einem Geländer fest. Foto: Carsten Rehder/dpa
Lebensgefährlich. Zwei Männer halten sich am Donnerstag auf dem überfluteten Fähranleger im schleswig-holsteinischen Dagebüll an...Foto: dpa

Berlin - Mit gefährlichen Böen, Sturmfluten und Schnee im Gefolge ist der Orkan „Xaver“ über Deutschland hereingebrochen. Er gilt als einer der schwersten Stürme seit Jahrzehnten. Am Donnerstag legte er das Leben von Millionen Menschen im Norden Europas lahm. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Eineinhalb Tage sollte „Xaver“ toben – länger als „Christian“, der vor etwa sechs Wochen große Schäden anrichtete.

In Schottland, wo das Unwetter bereits am Mittag wütete, wurde ein Lastwagenfahrer getötet, als sein Wagen umkippte, in einem Park in der Grafschaft Nottinghamshire in der Mitte Englands starb ein Mann durch einen umfallenden Baum. Im dänischen Jütland kam eine 72-jährige Frau ums Leben, nachdem ihr Auto von der Straße gefegt wurde. In Südschweden sind bei stürmischer See sind zwei Männer über Bord eines niederländischen Frachtschiffes gegangen, sie werden seitdem vermisst.

Das Orkantief erreichte am Donnerstagmittag die deutsche Nordseeküste und wütete zunächst mit Böen von um die 120 Stundenkilometer. Eine erste Sturmflut überstand die schleswig-holsteinische Westküste glimpflich, am späten Abend wurde vor einer „sehr schweren Sturmflut“ am Freitagmorgen gewarnt. „Land unter“ meldeten die nordfriesischen Halligen schon am frühen Nachmittag.

Zunächst hatte „Xaver“ Großbritannien katastrophale Zustände gebracht. Zehntausende Haushalte waren ohne Strom. Straßen und Brücken wurden gesperrt, der Zugverkehr in Schottland vorübergehend gestoppt. Im Nordosten Englands wurden hunderte Häuser evakuiert. In Dänemark waren am Nachmittag alle größeren Brücken gesperrt, der Zugverkehr im ganzen Land eingestellt.

An deutschen Flughäfen wie Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg mussten Dutzende Starts und Landungen gestrichen werden, mancherorts ging gar nichts mehr. Die Bahn stellte alle Verbindungen in Schleswig-Holstein ein, auch der Fernverkehr von Hamburg nach Kiel und Kopenhagen wurde gestoppt. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal fuhren keine Schiffe mehr.

In vielen Schulen im Norden Deutschlands fiel der Unterricht aus. In Berlin stellte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Eltern am Donnerstag frei, ihre Kinder abzuholen, Kitas schlossen vorzeitig. Für Freitag wurde die Schulpflicht aufgehoben, Eltern können ihre Kinder zu Hause lassen. Die Unwetterwarnungen für Berlin wurden laut Feuerwehr am Abend stundenweise nach hinten verschoben. Der Sturm sollte – nach den ersten Schneeflocken – des Berliner Winters – mit orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten von 110 bis 120 Stundenkilometer über die Stadt hinwegfegen. Die Feuerwehr rückte bis Redaktionsschluss zu 60 Einsätzen aus.

In einem Sicherheitshinweis des Deutschen Wetterdienstes hieß es: „Es können Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Achten Sie besonders auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände. Schließen Sie alle Fenster und Türen! Sichern Sie Gegenstände im Freien! Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen.“ Der Deutsche Wetterdienst warnte auch mit dem „Katwarn“-System per SMS. mit dpa

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