Zeitung Heute : Yahoo weiter auf Einkaufstour

Das Internet wird nach Ansicht von Yahoo-Präsident Jeff Mallett Ende kommenden Jahres nur noch von drei große Firmen beherrscht werden - und Yahoo soll dazu gehören.Um solch starken Worten auch Taten folgen zu lassen, gab Mallett in der vergangenen Woche bekannt, daß Yahoo für 6,08 Milliarden Dollar Broadcast.com kaufen werde, einen der führenden Anbieter in den USA für Fernseh- und Rundfunk-Dienstleistungen."Wir erwarten, daß sich bis Ende 2000 drei Firmen aus der Masse der Anbieter hervorgehoben haben werden", sagte Mallett.Und Yahoo, Microsoft Network und America Online (AOL) seien schon jetzt dabei, sich abzuheben.Um seine Position zu behaupten, werde Yahoo, das einmal als Internet-Suchmaschine gestartet war, weiter seine Geschäftsfelder ausdehnen, vor allem in den Bereichen Medien, Kommunikation und Dienstleistungen.Die Übernahme von Broadcast.com ist schon das zweite große Geschäft für Yahoo in diesem Jahr.Im Januar hatte das in Santa Clara in Kalifornien ansässige Unternehmen GeoCities übernommen, einen Web-Service mit rund drei Millionen privaten Homepages.Auf der anderen Seite machte AOL Ende vergangenen Jahres mit der Übernahme des Software-Herstellers Netscape von sich reden.Microsoft kauft schon seit einiger Zeit Internet-Dienstleister wie etwa Reiseanbieter auf.

Aber die von Mallett genannten drei Firmen werden wohl nicht unter sich bleiben.So kaufte der Telekommunikationskonzern AT&T gerade mit Tele-Communications einen großen Kabelfernsehanbieter auf und beteiligte sich an dem Hochgeschwindigkeits-Internet-Anbieter AtHome.Damit wird AT&T sicherlich ein Faktor, wenn immer mehr Internet-Nutzer vom langsamen Telefonnetz zum Kabelanschluß übergehen.Amazon.com festigt unterdessen seine führende Position im Bereich des Online-Shoppings."Mallett redet nur vom nächsten Jahr", relativiert der Analyst Jim Balderston dessen Äußerungen."In zwei oder drei Jahren sieht alles vielleicht schon ganz anders aus.Es tauchen neue Firmen auf und die alten Mediengiganten nutzen vielleicht ihre Finanzmacht, um in diesem Bereich von sich hören zu lassen." Die meisten führenden Firmen suchen nach strategischen Allianzen, um sich für die sich abzeichnende Integration von Fernseher, Computer und Telefon zu wappnen.Auch wenn ein Sieger in diesem Rennen noch nicht auszumachen ist, Yahoo sollte dabei sicherlich nicht unterschätzt werden.Die Aktien des erst 1994 von den Studenten David Filo und Jerry Yang gegründeten Unternehmens stiegen in den vergangen zwölf Monaten um 264 Prozent.

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