Zeitung Heute : Yannick Schall

Deutscher Meister war Yannick Schall vor zwei Jahren. Seither steht er regelmäßig auf dem Siegerpodest. Die Liste seiner Erfolge auf dem Skateboard ist lang. Erstklassige Bilder in Magazinen, Portraits, Videoparts, Siege und vordere Platzierungen bei internationalen Wettkämpfen. Der junge Berliner ist angehender Skateboardprofi.

Weite Jeans, weites Shirt, das Cap verkehrt herum auf dem Kopf. Eine Kette mit auffälligem Amulett baumelt um seinen Hals. HipHop Style. Gestatten: Yannick Schall. Die Straße ist seine Spielwiese. Der Asphalt sein Element. Er liebt die Herausforderung, das Spiel mit dem rollenden Brett. Jeden Trick geht der Skateboarder vorher im Kopf genau durch, danach probiert er ihn so schnell wie möglich. Damit erst gar kein Zögern, keine Angst aufkommt. Verletzungen hatte er bislang kaum. Eine Fingerluxation, seine Bänderdehnung längst verheilt. Der talentierte Rollbrettfahrer zeigt uns heute einige seiner Lieblingsplätze - da dürfen Skateboardspots natürlich nicht fehlen. Wir treffen Yannick auf dem Gelände der Freien Universität in Dahlem. Nach seinem Zivildienst in einem Pflegeheim, möchte der 20jährige demnächst anfangen zu studieren. Sportpädagogik oder Sportmanagement. Heute sind wir aus einem anderen Grund hier. Beim Fachbereich Physik warten Viererstufen und zwei Banks (schiefe Ebenen, 1) auf uns. Dieser Spot eignet sich für Skater jeder Könnensstufe. Kleine, steile Banks, perfekt glatter Boden. Yannick zaubert einige saubere Tricks. Seine einzige Sorge: „Manchmal beschweren sich die Leute aus der Uni.“ Yannick spricht aus Erfahrung. Wir haben Glück. Es ist ruhig an diesem Vormittag. Ein ähnliches Problem an unserem nächsten Tourstopp. „Skaten verboten“ - prangt auf den Schildern. Angebracht an Mauern, Wänden und Türen des Universitätskomplexes. Verbote provozieren. Sinnvoller wäre ein Miteinander, nicht Gegeneinander. Unser Augenmerk: das große Handrail (Treppengeländer) neben dem Haupteingang der FU. Ein perfektes neun Stufen Rail (2). Geeignet nur für erfahrene, fortgeschrittene Skateboarder - wie Yannick. Zum Grinden (Rutschen), mit idealer An- und Ausfahrt. Keine Wellen oder Unebenheiten. Alles ist recht neu. Rasch ziehen wir freiwillig weiter - bevor uns jemand fortschickt. Yannick rollt mit seinem Brett über die weite, freie Fläche vor dem FU Gebäude (3). Versteckt an der Gebäudewand sind Dreierstufen zum Grinden, auf der Plattform ein paar Holzbänke zum Drüberspringen. Schilder bremsen unseren Enthusiasmus: „Skaten verboten“. Die Dahlemer Skatejugend hat es nicht leicht. „Wer das Skateverbot nicht befolgt, lernt den Hausmeister kennen“, schmunzelt Yannick. Bislang hatte er immer Glück - so auch heute mit uns. Der talentierte Nachwuchsskateboarder führt uns an einen entspannteren Ort. Ohne Vorschriften, ohne Verbote. Das Wetter ist traumhaft. Der Schlachtensee (4) - ideal für eine Erfrischung. Klares, sauberes Wasser. Mit schöner Liegewiese, direkt am S-Bahnhof. Yannick erschreckt. Erinnert sich an die Geschichte vom „Killer-Wels im Schlachtensee“. Eine junge Frau wurde vor Kurzem von einem Wels attackiert. Die Folge: eine Bisswunde mit 17 Zentimetern Durchmesser. Momentan ist Laichzeit, da sind die Raubfische besonders aggressiv. Und ausgerechnet nahe der Badestelle beim S-Bahnhof, ist das Wasser nicht ganz so tief und wohlig temperiert - ideal für die Welse zum Laichen. Dabei wollen wir sie nicht stören. Genug Abenteuer für heute. Hoffentlich lauern im Wannsee keine gefräßigen Raubfische. Yannick ist oft am Wannsee (5). Im Strandbad oder an geheimen Badeplätzen. Kleine einsame Buchten. Eine gemütliche, ruhige Badestelle erreichen wir nach dreißigminütigem Fußmarsch. Es lohnt sich. Der Rückweg führt uns vorbei an der Kletterpyramide beim Bootsanlegeplatz (6) am Südende des Sees, unweit der Wannseebrücke. Yannick schwelgt in der Vergangenheit. Kindheitserinnerungen. Die Kletterpyramide aus Seilen eroberte er bereits als kleiner Junge. Während eines Klassenausflugs in der Grundschulzeit. Es klingelt. Sein iPhone holt ihn zurück in die Gegenwart. Die Fahrt zur Skateboard Europameisterschaft in Basel muss organisiert werden. Morgen beginnt der Wettbewerb. Ein paar Lines möchte Yannick heute noch fahren. Runden auf seinem Rollbrett kombiniert mit Tricks. Der Skatepark Marshallstraße (7) ist optimal, hat allerlei zu bieten. Eine Hip und Quarters (Rampen), Banks, eine Pyramide, Funbox mit Rail, Curbs (Kanten), Ledges (Mauern) und ein Kicker (Schanzen). Eine solide Anlage zum Spaß haben an einem Sommertag mit festem, guterhaltenem Holzbelag. Alles sehr kompakt auf engstem Raum, das erschwert die Vielfalt an Variationsmöglichkeiten. Geöffnet ist täglich von 15 bis 20 Uhr. Eine Hand voll Kids wartet schon ungeduldig. Um Punkt drei Uhr öffnet der Schlüsselmeister die Pforten. Yannick erobert die Rollfläche. Stylishe Trickkombinationen. Verspielte Leichtigkeit in Perfektion. Ehrfürchtig stehen die anderen Skateboarder am Rand, trauen sich nur zögerlich selbst loszurollen. Yannick kennt dieses Gefühl. „Da sind immer welche, die besser fahren, als man selbst.“ Der Park gehört zu einem Jugendfreizeittreff. In den Clubräumen gibt’s Computer und Internet, Tischtennisplatten, Billardtische und eine Disco. Gegenüber tobt das alljährliche Volksfest der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft. Unser Beitrag: ein Besuch im naheliegenden McDonald’s (8) mit angeschlossenem McCafé. Ein schnuckeliges Haus umgeben von Bäumen. Keine dieser genormten Fastfood-Filialen. Es ist das erste Drive-Through-Fastfood-Geschäft in Berlin - ein historischer Junkfoodladen. Yannick ist permanent unterwegs auf Autobahnen quer durch die Republik. An einem McDonald’s kommt er nur schwer vorbei. Aus Zeitgründen und Mangel an Alternativen. Crispy Chicken Salad mit Parmesan oder einen mehrschichtigen Burger gönnt er sich für gewöhnlich. Heute gibt’s einen McFlurry mit Smarties auf die Hand. Eine süße Verführung. Yannick muss los. Die Fahrt zu den Skateboard Europameisterschaften nach Basel muss noch geplant werden. Wettbewerbe liegen ihm. Das beste daran: „die Party mit Skatekollegen aus ganz Europa.“ Sophie Guggenberger

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