Zeitung Heute : Yeehaa!

Lars Törne

Wie ein West-Berliner die Stadt erleben kann

Es begann mit der frühkindlichen Prägung durch Rauchende Colts, Bonanza, und Lucky Luke und die regelmäßig zum Kinderfasching wiederkehrende Frage: Cowboy oder Indianer? Meist entschied ich zugunsten des Cowboy-Kostüms, vor allem des Revolvers wegen. Inzwischen ist meine Leidenschaft für die rauen Helden der Prärie etwas abgeklungen. Dass ich für Wildwestromantik trotzdem noch empfänglich bin, habe ich jetzt im Haus Schwarzenberg erlebt, der letzten Zuflucht für Großstadt-Desperados in der schicken Gegend am Hackeschen Markt.

„Horsing around“ heißt die Ausstellung, die die Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg gerade zeigt. 20 Künstler, die wohl früher auch alle als Cowboy zum Fasching gegangen sind, haben hier die Mythen des Wilden Westens auseinander genommen, und man merkt, dass das Thema den meisten trotz zeitgemäßer Ironie eine Herzensangelegenheitist.

Dass Cowboys trotz harter Schale und locker sitzender Schießeisen auch nur Menschen sind, ist eines der Themen, das sich durch die Comiczeichnungen, Grafiken und Installationen zieht. Da sieht man Revolverhelden auf der staubigen Dorfstraße kurz vorm Showdown, die sich mit Sprüchen Mut machen wie „Ein Mann, der Angst vorm Sterben hat, hat Angst vorm Leben“. Ein anderer wirbt kokett mit Pistole und Lippenstift für die „Country- und Schwestern- Nacht“. Und in einer Krippe träumt ein Nachwuchs-Cowboy von rosa Pferden. Es gibt Endlosschleifen trampelnder Rinderherden aus alten Westernfilmen, bunte Illustrationen von Pioniergeschichten, schräge Comicabenteuer von Antihelden wie „Lame Ryder“, Variationen des ewigen Westernmotivs vom Fremden, der sich im Saloon mit dem Falschen anlegt, sowie eine biblische Kurzgeschichte von Texas-Jesus. Der verdankt seinen Namen übrigens seinem sombreroförmigen Heiligenschein.

„Horsing around – auf der Fährte des Cowboys in Europa“. Neurotitan Rosenthaler Str. 39 (Mitte). Am heutigen Dienstag geschlossen, ansonsten bis zum Wochenende tgl. ab 12 Uhr geöffnet (bis 20 Uhr, Sonntag bis 18 Uhr, Finissage 27.2., 17 Uhr). Wer die Cowboy-Zeichnungen unbedingt schon heute sehen will: Einige der ausgestellten Comics gibt es um die Ecke im Groben Unfug, Weinmeisterstraße 9.

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