Zeitung Heute : Yes, please – bitte noch einen Löffel!

Fertigsuppen aus dem Kühlregal sind das Erfolgsrezept der in Berlin lebenden Engländerin Gemma Michalski

Bernd Matthies

Diese Suppen sprechen ein wenig Englisch und ein wenig Deutsch – das ist normal angesichts der Tatsache, dass Gemma Michalski sehr viel Englisch und noch mehr Deutsch spricht. Sie ist die Erfinderin von „Yes Please“, sie verkörpert die Notwendigkeit von „Good food for busy people“, denn die quirlige 43-jährige Engländerin isst gern, aber ist vor allem ungeheuer geschäftig mit ihren Suppen, die allmählich in bemerkenswerte Dimensionen wachsen, was den Umsatz und die Verteilung quer über Deutschland angeht. Manchmal rückt sie persönlich als Propagandistin in eigener Sache aus – auch in der Tagesspiegel-Redaktion hat sie schon Suppe verteilt.

Es genügt, einen der schräg illustrierten Kunststoffbecher zu öffnen, um dem Grundprinzip der Yes-Please-Suppen auf die Spur zu kommen. Sie wirken nie fett, nie aufgedunsen von Bindemitteln und, natürlich, nie künstlich aufgepeppt mit all den Glutamaten und Brühextrakten, auf die deutsche Hersteller anscheinend nicht verzichten können. Kein Wunder, dass sie immer noch bei Joubère in England produziert werden, einer Firma, die den Umgang mit Biozutaten beherrscht und vor allem den Einsatz der Schockkühlung, die den Suppen ohne Konservierungsstoffe und Blechdosen zu ausreichender Haltbarkeit verhilft. Alle Suppen sind vegetarisch, nicht unbedingt aus Prinzip, sondern weil Fleisch nur teuer und umständlich in ein Biokonzept zu integrieren ist.

Zehn Sorten sind inzwischen im Handel. Die Rezepturen stammen von der auf Essen spezialisierten Berliner Autorin Ursula Heinzelmann, einer gelernten Köchin; sie balancieren ideenreich zwischen Heimwehküche, Mittelmeer und Exotik. Sie entwirft die Gerichte und kontrolliert auch, ob das fertige Produkt ihren Vorstellungen entspricht und nicht in Richtung Massengeschmack abgewandelt ist. Angefangen hat es mit den Geschmacksrichtungen Grüne Erbsen mit Minze und Koriander, Rote Bete mit Orange sowie Karotte-Ingwer mit Kardamom. Inzwischen gibt es je nach Saison auch Kartoffel-Lauch mit Senf, Kichererbsen mit Tomaten und Oregano ...

Wie kommt man auf ein solches Konzept? „Ich bin ein Foodie“, sagt Gemma Michalski kategorisch, „ich koche gern und ganz gut. Aber nicht jeden Abend.“ Aus London, ihrer Heimatstadt, war sie ein breites Angebot an frischen Fertiggerichten aus der Kühltheke, an „chilled food“, gewohnt, wie es in Deutschland erst langsam wächst, bislang aber praktisch nur in Form von Salaten vorkommt. Hier dominiert immer noch konventionelles Fertigessen, die üblichen Tiefkühlprodukte und Konserven, vollgestopft mit Konservierungsmitteln, Aromen, Geschmacksverstärkern, eine Zumutung für anspruchsvolle Kunden, die sich auch mit Fertigkost gesund ernähren wollen. Das fand sie langweilig – und hatte ihre Geschäftsidee, die sie zusammen mit ihrem Vater und einer auf Start-ups spezialisierten Beraterin realisierte.

Gemma Michalski hat in London Geschichte studiert, ein halbes Jahr lang eine Filmakademie besucht, hat Englischkurse gegeben und allerhand andere Dinge ausprobiert, hat eine Tochter und zwei Söhne zur Welt gebracht und ist in dieser Zeit ihrem Mann, einem deutschen Journalisten, nach Hamburg, Berlin, London und wieder Berlin gefolgt. Kreativ wollte sie sein, nicht irgendwie banal Geld verdienen – und bereut das heute ein wenig: „Ich hätte die ganze Zeit unternehmerisch tätig werden sollen“, sagt sie, „das kann ich echt gut.“ Der erste Versuch, ein Internetunternehmen in London, war offenbar erfolgreich; so konnte sie es sich leisten, beim Start nichts zu überstürzen.

In Berlin hat es 2007 angefangen, passend zum Boom der Biosupermärkte, die sich als quasi geborene Handelspartner erwiesen. Doch auch KaDeWe, Lafayette und Kaufhof stehen auf der Liste, das sieht Gemma Michalski gern, weil sie nicht ganz auf der Ökoschiene landen will. Hamburg, Frankfurt, Bremen, Köln sind hinzugekommen, mal im Ökohandel, mal im Delikatessengeschäft. Sicheres Zeichen für den Erfolg: Erste Nachahmer regen sich und liefern neues Beweismaterial für die These, dass es gerade beim Essen nichts gibt, was man nicht ein bisschen billiger und schlechter machen kann.

Yes Please wird sich, gesteuert vom Büro in der Fasanenstraße, weiter in Deutschland ausbreiten. Die Engländer allerdings werden wohl nie in den Genuss der vielfältigen Suppen kommen – obwohl sie Geschäftsidee und Namen spendiert haben.

www.yesplease.de

Ich hätte schon viel früher unternehmerisch tätig werden

sollen, das kann ich echt gut.“

Gemma Michalski, „Yes Please“-Erfinderin

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