Zeitung Heute : Zaghafter Einstieg in die Online-Recherche

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Der Informationsboom im Internet hat auch die Anwaltskanzleien erreicht. Das Online-Angebot für Juristen ist exponentiell gewachsen. Doch wie verhalten sich deutsche Anwälte gegenüber dem neuen Medium? Hat die klassische Recherche in Bibliotheken ausgedient? Und: Wie effektiv werden die gefundenen Online-Informationen genutzt? Diesen Fragen ging die Auftrags-Studie "Juristisches Wissensmanagement" nach.

Das Ergebnis: Online-Datenbanken werden unabhängig von Kanzleigröße und -typ mittlerweile fast durchgängig (93 Prozent) eingesetzt. Dabei erledigen sieben Prozent der Kanzleien schon mehr als die Hälfte ihrer Informationsbeschaffung über Online-Datenbanken. Bei 21 Prozent der Kanzleien werden zwischen 26 und 50 Prozent der Recherchen über dieses Medium abgewickelt, bei 48 Prozent sind es zehn bis 25 Prozent. Besonders interessant: 68 Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, bei ihrer Arbeit auf gedruckte Bücher, Gesetzestexte oder Zeitschriftenartikel zu verzichten. Ein Ursache dafür könnte sein, dass Anwälte bei der Verwertung der gefundenen Online-Informationen dem allgemeinen Trend deutlich hinterher hinken. Mehr als die Hälfte druckt die Daten aus, ohne sie zuvor am PC gelesen zu haben. Lediglich elf Prozent verarbeiten die Informationen elektronisch weiter, indem sie Teile in die eigenen Schriftsätze kopieren.

Handelsregisterinformationen und Gesetzgebungsdatenbanken werden zwar in mehr als 90 Prozent der Kanzleien eingesetzt - allerdings nur relativ sporadisch. Doch "sehr häufig" und "häufig" nutzen nur 17 beziehungsweise 35 Prozent diese Handelsregisterinformationen. Bei Gesetzgebungsdatenbanken sind es nur acht beziehungsweise 20 Prozent. Für Recherchen zur Bonitätsprüfung setzen lediglich 27 Prozent der Kanzleien Online-Datenbanken sehr häufig oder häufig ein.

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