Zeitung Heute : Zahl der Verkehrstoten deutlich gestiegen

Der Tagesspiegel

Von Wolfgang Hassenstein

Die Zahl der Verkehrstoten auf Berlins Straßen ist in den ersten Monaten dieses Jahres wieder deutlich gestiegen. Seit Jahresbeginn zählte die Polizeistatistik 18 Todesopfer. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres starben nur zwölf Verkehrsteilnehmer. Nach Einschätzung von Polizeivizepräsident Gerd Neubeck wird sich der starke Rückgang des vergangenen Jahres demnach nicht fortsetzen. Im Jahr 2001 lag die Zahl der in Berlin tödlich verunglückten Menschen bei nur 65, das war ein positiver Rekord.

„Jeder Verletzte und Tote auf unseren Straßen ist einer zuviel“, sagte Neubeck gestern. Zwar sei Berlin im vergangenen Jahr das Bundesland mit den wenigsten Unfalltoten pro Einwohner gewesen, und langfristig sei die Zahl der Unfallopfer trotz des steigenden Verkehrsaufkommens rückläufig. Dennoch seien die Auswirkungen von Unfällen im Straßenverkehr erschreckend.

So verunglückte im vergangenen Jahr alle 29 Minuten ein Verkehrsteilnehmer. Alle 2,1 Stunden war ein Radfahrer betroffen, alle 3,5 Stunden ein Fußgänger. An jedem sechsten Tag starb in Berlin ein Mensch an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Dabei tragen die schwächsten Verkehrsteilnehmer das größte Risiko: Nicht nur Fußgänger und Radfahrer sind besonders häufig betroffen. Auch Kinder und Senioren tauchen in der Polizeistatistik der Verunglückten und Verkehrstoten überproportional häufig auf. Sie stellen nur 27 Prozent der Bevölkerung, aber 41 Prozent der Verunglückten. Diese Verschiebung ist im Vergleich zu anderen Bundesländern, insbesondere den Flächenstaaten, so ausgeprägt, dass Verkehrsexperten vom „Berliner Phänomen“ sprechen.

Mit einer Reihe von Aktionen will die Polizei die Sicherheit im Verkehr wieder erhöhen. Insbesondere will sie Alkohol- und Drogendelikte verstärkt verfolgen. Stärker überwachen will die Polizei auch den Schwerlast- und Gefahrgutverkehr.

Zudem sollen Präventionskampagnen das Verkehrsverhalten verbessern. Verstärkt setzt die Polizei auf eine Koppelung von Straßenkontrollen und Verkehrssicherheitsberatung, zum Beispiel an gefährlichen Kreuzungen oder vor Discotheken.

Eindringlich verwies Neubeck auf die Risiken durch zu schnelles Fahren. „Es muss in die Köpfe rein, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht zur Schikane da sind, sondern aus gutem Grund“, sagte er. So sterben durch Kollisionen mit Autos bei Tempo 30 drei von zehn betroffenen Fußgängern, bei Tempo 50 ist es schon jeder zweite.

Umfragen in Berlin ergaben, dass die Angst vor den Gefahren des Straßenverkehrs größer ist als davor, Kriminalitätsopfer zu werden. „Und das ist tatsächlich begründet“, sagte Neubeck.

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