Zeitung Heute : Zarte Schönheiten

Trotz ihres filigranen Erscheinungsbildes sind Astilben robuste, winterharte Stauden

Tassilo Wengel

Prachtspieren, die auch unter ihrem botanischen Namen Astilben gut bekannt sind, gehören zum Standardsortiment von Staudengärtnereien und Gartencentern. Das Angebot reicht von niedrig bleibenden, zierlichen Arten und Sorten bis zu fast einen Meter hohen Exemplaren. Mit ihren leuchtenden Blütenrispen bringen die winterharten Pflanzen Farbe an schattige Plätze im Garten. Ihre prächtigen Blütenstände, die wie Federn wirken, eignen sich gut für Trockensträuße. Auch als Schnittblumen sind Astilben geeignet.

Mit etwa 25 Arten sind Prachtspieren, die zur Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) gehören, vom Himalaja bis Japan sowie im atlantischen Nordamerika verbreitet. Ihre Blüten sind klein, aber sehr zahlreich und zu mehr oder weniger dichten, aus Trauben oder Ähren zusammengesetzten Rispen vereint. Sie haben eine buschige oder fedrige Form und können steif aufrecht stehen oder leicht hängen. Die Farbpalette der Blüten reicht von Weiß, Rosa bis Rot und Lila mit unterschiedlichen Schattierungen.

Als Waldpflanzen benötigen Prachtspieren einen humusreichen, nahrhaften Boden und einen halbschattigen Standort. Lediglich die Chinesische Prachtspiere (Astilbe chinensis var. pumila) gedeiht auch in voller Sonne gut, sofern der Boden ausreichend feucht gehalten wird. Günstig ist es, im Frühjahr reifen, gut verrotteten Kompost zwischen die Pflanzen zu streuen, auch eine Gabe organischen Düngers wie Knochenmehl oder Hornspäne sorgt für einen reichen Blütenansatz.

Bei den angebotenen Pflanzen handelt es sich vorwiegend um Hybriden, an denen verschiedene Arten beteiligt sind. Großen Anteil daran hatte Georg Arends aus Ronsdorf bei Wuppertal, der sich bereits vor mehr als hundert Jahren mit der Züchtung von Astilben beschäftigte und auch Auslesen in den Handel brachte. Er war der Astilben-Spezialist schlechthin.

Von den Wildarten ist vor allem die Chinesische Prachtspiere (Astilbe chinensis var. pumila) für den Garten eine Bereicherung. Es handelt sich hierbei um eine Zwergform, die 1932 von Arends aus Astilbe chinensis gezogen wurde. Sie bildet Ausläufer und dicht auf dem Boden liegende Triebe. Von August bis September entfaltet die Pflanze, die sich vorzüglich als Bodendecker eignet, ihre etwa 25 Zentimeter hohen schmalen Blütenkerzen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Prachtspieren verträgt diese Art volle Sonne, gedeiht aber auch auf sommertrockenen Standorten wie zum Beispiel im Schatten von Gehölzen. Eine attraktive Sorte, die etwa 40 Zentimeter hoch wird, ist ,Veronica Klose‘ mit dunkelpurpurroten Blütenkerzen. Empfehlenswert ist auch die robuste ,Superba‘, eine prachtvolle Auslese von Astilbe chinensis var. Taquetii. Sie wird bis zu 80 Zentimeter hoch und blüht purpurrosa von August bis Oktober.

Zu den schönsten und attraktivsten Blütenpflanzen gehören die Astilbe-Arendsii-Hybriden. Sie entstanden durch Kreuzung mehrerer Arten Anfang des vorigen Jahrhunderts. Mit seiner züchterischen Arbeit revolutionierte Arends damals diese Gattung. Denn vorwiegend gab es damals nur weiß blühende Pflanzen, einige wenige blühten rosa, aber intensive, leuchtende Farben fehlten. Als 1930 einer der Sämlinge zu einem leuchtenden Dunkelrot mutierte, war die Sorte ,Fanal‘ geboren. Sie kam 1933 in den Handel und gehört heute noch zum Sortiment vom gut sortierten Fachhandel. Obwohl es inzwischen bessere und vor allem länger blühende rote Sorten gibt, wird ,Fanal‘ von fast allen Staudenbetrieben kultiviert. Auch die Astilbe-Crispa-Hybriden stammen von Georg Arends. Er fand bereits 1915 unter seinen Züchtungen Sämlinge mit stark krausen Blättern, die nur 15 bis 20 Zentimeter Höhe erreichten und steif aufrecht wuchsen. Sie wurden bald als „Krause Zwergprachtspieren“ bezeichnet und konnten sich bis heute behaupten. Bedeutung haben vor allem die beiden, im Juli blühenden Sorten ,Liliput‘ (hellrosa Blüten und braunroter Austrieb) und ,Perkeo‘ (Blüten tiefrosa). Sie wachsen recht langsam und lassen sich als kleinflächige Bodendecker im Steingarten sowie in Schalen oder Trögen gut verwenden.

Die zartesten Vertreter sind die Einfachblättrigen Prachtspieren (Astilbe simplicifolia) aus Japan. Sie sind an den eiförmigen und tief eingeschnittenen Blättern zu erkennen. Ihr Blütenstand ist zierlich, schmal und leicht überhängend, die Blüten sind weiß und sternförmig. Im Handel gibt es vor allem Astilbe-Simplicifolia-Hybriden, die etwa 40 Zentimeter hoch werden und sich vor allem durch mehr oder weniger überhängende Blütenstände auszeichnen. Eine der schönsten Sorten ist ,Aphrodite‘. Sie hat dunkles Laub, das im Austrieb rötlich erscheint. Die hellroten Blüten entfalten sich im Juli und August. Andere wertvolle Sorten sind ,Bronce Elegans‘ (dunkelrosa), ,Rosea‘ (hellrosa), ,Praecox-Alba‘ (weiß).

Die größte Prachtspiere ist die Astilbe thunbergii aus China und Japan. Durch Kreuzung mit anderen Arten entstanden die Astilbe-Thunbergii-Hybriden, die lockere, an den Enden leicht überhängende Blüten bilden und mehr als einen Meter Höhe erreichen. Verbreitet sind die Sorten ,Straußenfeder‘ (karminrosa) und ,Van der Wielen‘ (weiß), seltener ist die Sorte ,Jo Ophorst‘ (rubinrot).

Schon mit Astilben allein lassen sich reizvolle Farbspiele im Garten erzeugen. Als Vermittler zwischen den roten, rosa, blauroten oder fliederfarbenen Exemplaren bieten sich vor allem weiße Sorten an. Besonders wirkungsvoll sind farbenfrohe Gruppen, die zwischen Rhododendren, an anderen immergrünen Laubgehölzen oder an Teichrändern stehen. Kombiniert mit anderen Pflanzen kommen sie besonders gut zur Geltung. Beispielsweise mit Gräsern wie Marbel, Seggen sowie Rasenschmiele. Von den Blütenstauden eignen sich niedrige Arten wie Elfenblumen, Bergenien, Golderdbeeren oder Storchschnabel als Begleiter. Auch höhere Stauden wie Silberkerzen, Große Sterndolden, Japan-Anemone oder Herbst-Anemonen sind geeignete Nachbarn.

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