Zeitung Heute : Zauber des Mittelmeers

Die genügsamen Olivenbäumchen bringen mediterranes Flair auf die Terrasse oder den Balkon

Heike Deissler

Die nächste Freiluft-Saison rückt näher und damit der verwaiste Balkon respektive die Terrasse wieder ins Blickfeld. Viele Pflanzenliebhaber gestalten schon in Gedanken ihr grünes Reich. Wie wäre es im kommenden Sommer mit etwas mediterranem Flair? Keine andere Pflanze ist dafür so geeignet wie der Olivenbaum. Wer denkt beim Stichwort Mittelmeer nicht an ausgedehnte Olivenhaine mit knorrigen alten Bäumen, die der Landschaft ihr unverwechselbares Gesicht geben. Das Klima in unseren Breiten ist zwar (noch) nicht für den Anbau von Olivenbäumen im Freien geeignet, als Kübelpflanze kommt das Olivenbäumchen jedoch gut zurecht – ein frostfreies, kühles Winterquartier vorausgesetzt.

Der Oliven- oder Ölbaum gehört wie auch Forsythie und Flieder zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae). Die Gattung Olea ist mit etwa 20 Arten im Mittelmeergebiet, Nord- und Südafrika sowie Südostasien verbreitet. Es handelt sich um immergrüne Bäume oder Sträucher, von denen jedoch nur Olea europea, der Olivenbaum, auch als Kübelpflanze von Bedeutung ist. Die Wildform des Ölbaums, der sogenannte Oleaster (Olea europea ssp. sylvestris) ist im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet.

Der Ölbaum wird seit Jahrtausenden von den Menschen rund um das Mittelmeer kultiviert und verehrt. Er zählt zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Zahlreiche Mythen ranken sich um das im Alter oft bizarre Gewächs. So soll die griechische Göttin Athene den nützlichen Baum auf die Erde gebracht haben. Olivenbäume können ein sehr hohes Alter erreichen. Einige Exemplare am Ölberg in Jerusalem sind über 1000 Jahre alt. Doch der Ölbaum steht nicht nur für Alter und Weisheit, sondern mit seiner enormen Vitalität für das Leben schlechthin. Ein Ölbaumzweig symbolisierte im Alten Testament das Ende der Sintflut und die Hoffnung auf neues Leben.

Ausgepflanzt erreicht der Ölbaum zehn bis zwölf, im Topf bis zwei Meter Höhe. Charakteristisch sind neben der – im Alter rissigen – graugrünen Rinde die schmalen weidenähnlichen Blättchen mit lederartiger Textur. Auf der Oberseite sind sie typisch olivgrün, auf der Unterseite hingegen silbergrau. Dort sind die Blätter mit unzähligen silberfarbenen Schuppen besetzt, was auf einen hohen Verdunstungsschutz hindeutet. Von April bis Juni entwickeln sich kleine traubenartige Blütenstände mit weißen oder gelblichen sternförmigen Blüten, die veilchenartig duften. Die bekannten Oliven, die sich je nach Sorte in Farbe, Form und Größe unterscheiden, reifen bis zum Herbst und Winter. Bei uns erreichen sie jedoch selten die volle Reife. Da die Früchte allerdings auch einen erheblichen Schmuckwert besitzen, sollten beim Kauf eines Olivenbäumchens selbst fruchtende Sorten bevorzugt werden. Andere Sorten benötigen einen Partner zur Befruchtung.

Olivenbäumchen brauchen den sonnigsten Platz auf Terrasse oder Balkon. Viel Wärme und Licht im Sommer fördern das Gedeihen. Die Pflanzen sind genügsam und robust, auf Staunässe reagieren sie jedoch empfindlich. Überschüssiges Wasser muss sofort abfließen können. Daher ist eine gute Drainage wichtig. Als Substrat eignet sich eine Mischung aus normaler Blumenerde und Lehm, der etwas Gesteinsmehl und Algenkalk sowie für die Durchlässigkeit Kies oder Splitt zugesetzt wird. Das graugeschuppte Laub deutet bereits darauf hin, dass Olivenbäume trockenheitsresistent sind. Die Pflanze kommt viel besser mit Trockenheit als mit andauernder Nässe zurecht. Extremen Wassermangel sollte man den Kübelpflanzen jedoch nicht zumuten, da sie nicht über die gleichen Bedingungen verfügen wie ausgepflanzte Exemplare mit ihren bis zu sechs Meter langen Wurzeln.

Olivenbäume überstehen zwar Fröste bis minus zehn Grad, aber nur der oberirdische Teil. Der Wurzelballen darf nicht durchfrieren. Soll das Olivenbäumchen möglichst lange draußen bleiben, sollte der Topf daher mit Noppenfolie oder ähnlichem umwickelt und in den Windschatten einer Wand gerückt werden. Bei Dauerfrost muss die Pflanze jedoch ins Haus. Da Olivenbäume immergrün sind, bevorzugen sie auch im Winter einen möglichst hellen Platz. Der Standort sollte aber kühl sein, zwischen fünf und zehn Grad Celsius. Olivenbäumchen sind keine Zimmerpflanzen. Kurzfristig kann man die Pflanzen auch im dunklen, frostfreien Keller unterstellen. Dann wirft das Bäumchen zwar die Blätter ab, treibt aber im Frühjahr neu aus. Sparsame Wassergaben genügen. Der Ballen sollte nur leicht feucht sein. Die mediterranen Gewächse sind empfindlich gegen hohe Luftfeuchtigkeit. Daher sollte an frostfreien Tagen ausgiebig gelüftet werden.

Schon im März darf das Olivenbäumchen wieder ins Freie und wird bei Bedarf umgetopft. Von März bis August erhält das Bäumchen alle ein bis zwei Wochen schwache Düngergaben, möglichst mit Meeresalgendünger. Danach ist das Düngen einzustellen, damit die Triebe ausreifen können. Olivenbäumchen werden selten von Schädlingen befallen. Zu achten ist auf Schildläuse und Blattläuse an den Jungtrieben. Der Formschnitt erfolgt im Frühjahr oder, falls das Winterquartier eng ist, auch schon im Herbst. Dabei wird etwa ein Drittel des Austriebes weggenommen. Zu groß gewordene Pflanzen können auch kräftiger zurückgeschnitten werden.

Auch wenn das Olivenbäumchen im Topf nicht an seine knorrigen alten Verwandten heranreicht, so schenkt es uns doch ein wenig mediterranen Zauber.

Literaturtipps: Oliven. Anzucht und Pflege, Fitness und Gesundheit, feine Rezepte. Gabriele Lehari, Eugen Ulmer 2004, 9,90 Euro; Olivengeflüster. Von der Magie eines göttlichen Baums. Tomas Micek und Liza Kellner, Artea 2002, 39,90 Euro.

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