Zeitung Heute : ZDF-Intendant entbindet Moderator nach PR-Vorwürfen

"Zweifel an der Objektivität" des Journalisten aufgetaucht

Der ZDF-Journalist Alexander Niemetz (56) wird das "heute journal" bis auf weiteres nicht mehr moderieren. Das ZDF verwies in einer Erklärung am Freitag auf einen epd-Bericht vom Vortag über den Verdacht unerlaubter PR-Nebentätigkeiten von Niemetz. Dadurch seien "Zweifel an der Objektivität" des Moderators und stellvertretenden Redaktionsleiters aufgetaucht.

Laut ZDF enthält ein Fax einer PR-Agentur "geschäftliche Angebote, adressiert an Herrn Niemetz persönlich". Intendant Dieter Stolte habe eine sofortige Untersuchung des Vorgangs angeordnet. Er habe den Journalisten bis zur Klärung der Vorwürfe von seinen Moderationspflichten entbunden, "um Schaden vom heute journal und Herrn Niemetz abzuwenden". Niemetz reagierte nach Bekanntwerden seiner Suspendierung mit den Worten: "Es ist einmalig, dass ein Moderator nur wegen eines Verdachts vom Bildschirm genommen wird. Ich werde mit allen rechtlichen Mitteln gegen diese absurden Behauptungen und Verdächtigungen vorgehen." Er habe die Kanzlei des Hamburger Prominentenanwalts Matthias Prinz mit der Wahrnehmung seiner Interessen betraut, sagte er. Niemetz, seit 1979 beim ZDF und seit 1991 Moderator des "heute-journal", sollte am Montag wieder die Nachrichtensendung leiten.

Der Moderator bestritt am Freitag, jemals Geld für eine Mitarbeit bei der Hamburger PR-Agentur Roba-Press angenommen zu haben. "Die Firma hat dem ZDF angeboten, über einen Treuhänder sämtliche Firmenkonten zu öffnen, um klar zu stellen, dass nie Geld an mich oder meine Frau geflossen ist", sagte Niemetz. Die Hamburger Firma Roba-Press habe nachgefragt, an einem PR-Konzept für drei Kliniken des Konzerns "Asklepios" mitzuwirken. Das Fax war durch einen Computerfehler bei ROBA irrtümlich an weitere Empfänger geschickt worden und dadurch publik geworden.

Angesprochen wurde darin auch die "Vergütung einer solchen PR-Tätigkeit", allerdings ohne eine konkrete Summe zu nennen. Der Fax-Autor, ROBA-Mitinhaber Kaspar Neftel, sagte, seine Fragen an Niemetz bezüglich Asklepios seien nur Bitten um Ratschläge unter Freunden gewesen. Geld spiele dabei keine Rolle. Niemetz sagte dem epd, das Fax sei in seinen wesentlichen Passagen an seine Ehefrau, die freiberuflich für ROBA arbeitet, und nicht an ihn gerichtet gewesen.

Von Niemetz, der einen Vertrag mit dem ZDF bis Ende des Jahres hat, war bereits vor rund acht Jahren war bekannt geworden, dass er für die Bahn und Opel Veranstaltungen moderiert und für die Post die Parodie "Post Journal" präsentiert hatte.

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