Zeitung Heute : ZDF-Parteivorsitzende

Der Tagesspiegel

Hurra, das ZDF hat einen neuen Intendanten. Erleichterung hin, Freude her, die Sender-Satzung muss dringend um einen Leitsatz ergänzt werden: „Versuche nie einen Intendanten in einem Jahr zu wählen, in dem auch ein Bundeskanzler gewählt wird.“ Das geht schief. Seit dem 7. Dezember haben die 77 Fernsehräte konsequent aneinander vorbeigewählt. Getreu den Mehrheitsverhältnissen der so genannten Freundeskreisen von SPD und Union erringen „rote“ und „schwarze“ Kandidaten immer so viele Stimmen, wie die Freundeskreise auf sich vereinigen können. Die notwendige Drei-Fünftel-Mehrheit für einen Kandidaten will da nicht zusammenkommen. Verdorben haben die Wahl die Parteipolitiker im Gremium. Sie wollten und wollen nicht begreifen, dass nicht ein Parteivorsitzender fürs ZDF, sondern ein Fachmann für die Führung, ein Manager für Europas größten Fernsehsender bestimmt werden muss. Bitte aufwachen, liebe Genossen und Unionisten! Das ZDF gehört Euch nicht, und ist der Irrglaube daran auch noch so stark. Parteien sind Parteien, die parteiisch denken und handeln können. Das greift für eine kapitale Institution wie das ZDF zu kurz. Wer es mit der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ernst meint, der sieht sich das ZDF aus der zweiten Reihe an.jbh

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