Zeitung Heute : Zehlendorfer Wählergemeinschaft löst sich auf

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Zehlendorf-Steglitz. Die Wählergemeinschaft Unabhängiger Bürger (WUB) wird es ab dem 1. März nicht mehr geben. Der einst erfolgreiche kommunalpolitische Verein hat jetzt auf einer Mitgliedervesammlung ihre Auflösung beschlossen. „Das ist eine realistische Einschätzung der Situation“, sagte gestern Editha Stürz-Frase (56). Sie saß in der vorletzten BVV-Periode als einzige Verordnete für die Wählergemeinschaft fraktionslos in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Im Oktober 2001 musste die WUB die BVVmit 2,6 Prozent der Wählerstimmen verlassen. Dem Verein fehlten Nachwuchspolitiker und nach der Bezirksfussion hätten es die Mitglieder nicht geschafft, in dem wesentlich größeren Bezirk Steglitz genauso bekannt zu werden, wie in Zehlendorf, sagte Editha Stürz-Frase. Zehlendorf bleib bis zu letzt die Hochburg der WUB. Bei der letzten BVV hat sie dort die meisten der 4406 Stimmen bekommen.

Eine Bürgerinitiative hatte sich dort 1975 gegründet, um den Bau eines Straßentunnels in Zehlendorf zu verhindern. Damit war sie zu einer festen Größe im Rathaus geworden. Der akademisch-ökologische geprägte Verein stellte zeitweise zwei Stadträte und hatte vor allem erreicht, dass die Verfassung zugunsten parteiloser Kandidaten geändert werden musste. Noch 1992 erhielt sie bei den BVV-Wahlen 17,7 Prozent der Stimmen, 1999 erhielt die Zehlendorfer Initiative gerade noch 3,2 Prozent.

Nicht ganz unschuldig am Untergang der Wählergemeinschaft sind aber auch Affären, Missbilligungen und Austritte. Als Anfang 1977 der damalige Finanzstadtrat Michael Simon nach fragwürdigen Grundstückgeschäften abgewählt wurde, begann für die WUB die Talfahrt, die nun mit der Auflösung der komunalpolitischen Initiative endet. Ein Jahr später traten die Gründungsmitglieder Walther Grunwald und die ehemaligen Stadträte Anedore Müller-Hofstede und Herbert Wilkens aus dem Verein aus. Von Bedauern war gestern im Zehlendorfer Rathaus nichts zu hören. Bürgermeister Herbert Weber (CDU) reagierte diplomatisch auf die Ankündigung der WUB. „Dass die WUB nicht mehr in der BVV sitzt, ist eine Entscheidung des Wählers“, sagte er. suz

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