Zeitung Heute : Zehn Bäder werden trockengelegt

Der Tagesspiegel

Von Susanne Vieth-Entus

Berlin. Die Schwimmer müssen in der Hauptstadt näher zusammenrücken: Der Aufsichtsrat der Berliner Bäderbetriebe (BBB) beschloss gestern die Stilllegung von neun Hallenbädern und einem Sommerbad. Das Sportforum Hohenschönhausen soll durch ein stärkeres finanzielles Engagement des Bundesinnenministerium gerettet werden. BBB-Chef Klaus Lipinsky kündigte an, dass die Auslastung der verbleibenden Bäder optimiert werden muss. Es gibt Hinweise darauf, dass etliche Vereine mehr Hallenzeiten für sich beanspruchen als sie benötigen.

„Manche Bäder werden zu den Schul- und Vereinszeiten nur zu 50 Prozent ausgenutzt“, sagte Lipinsky gestern gegenüber dem Tagesspiegel. Auch sei es in der Vergangenheit passiert, dass Vereine in das Sportforum Hohenschönhausen „umgezogen“ seien, ohne die Hallenzeiten in ihren alten Bädern aufzugeben. Von Seiten des Landessportbundes hieß es gestern, man müsse künftig „genau hingucken“, welche Vereine Bahnen reservieren, so Sportstättenreferent Peter Hahn. Unter dem Strich führte die offenbar laxe Vergabe von Hallenzeiten durch die regionalen Beiräte dazu, dass 47 Prozent der gesamten Bäderkapazitäten durch Vereine, Schulen und Kitas belegt werden, wie auch Sportsenator Klaus Böger (SPD) gestern betonte.

Der Bädervorstand hat inzwischen dargelegt, wohin die Schwimmer ausweichen können, wenn die zehn Bäder geschlossen werden. Demnach sollen die Nutzer des Hallenbades Adlershof zum Baumschulenweg wechseln, vom Stadtbad Wedding zur Seydlitzstraße, vom Stadtbad Clayallee zum Hüttenweg, vom Stadtbad Kreuzberg zum Spreewaldplatz, von der Rudolf-Seifert-Straße zum Hallenbad Sewanstraße und von der Cité Foch zum Bad im Märkischen Viertel oder zum Paracelsus-Bad. Die Schließung des Stadtbades Steglitz wird als „unproblematisch“ eingeschätzt, weil es vorwiegend für Kurse genutzt wird.

Proteste sind dennoch bereits absehbar. So tauchte gestern zur Aufsichtsratssitzung eine Initiative auf, die die Schließung des Sommerbades im Poststadion verhindern will. Sie versuchte Lipinsky klarzumachen, dass es vor allem den Kinder nicht zuzumuten ist, zum rund 5 Kilometer entfernten Bad am Plötzensee auszuweichen.

Noch gibt es für einige Bäder Hoffnung. Dies gilt etwa für das Cité Foch, für das sich mehrere Vereine stark machen. Laut Lipinsky können Schließungen verhindert werden, wenn Vereine gute Konzepte vorlegen, wie dies etwa beim Forumbad im Olympiastadion der Fall ist. Wie berichtet, hat es der Verein Wasserfreunde Spandau 04 geschafft, die Stilllegung des Forumbades zu verhindern. Dies gelang unter anderem dadurch, dass der Verein 50 000 Euro investieren will: Das Geld soll durch Spenden und Eigeninitiative wieder hereingeholt werden.

Keine Entscheidung fiel gestern zu den neuen Eintrittspreisen, die der Vorstand gern erheben würde. Der Vorstand muss noch darlegen, wie er die drastischen Preiserhöhungen zwischen 30 und 120 Prozent und den Wegfall der Dauerkarten begründet. Lipinsky rechnet mit einem Beschluss Ende März. Es lohnt sich also, rechtzeitig Dauerkarten anzuschaffen. Die Bäderbetriebe müssen allerdings auch noch vor der eigenen Haustür kehren, um die harten Sparvorgaben von weiteren elf Millionen Euro bis 2006 umzusetzen. So bestätigte Lipinsky auf Nachfrage des Tagesspiegel, dass sich die BBB noch immer etwa zehn Dienstwagen leisten, darunter ein Wagen für den Leiter des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) und für den Leiter der BBB-Personalabteilung. Lipinsky kündigte an, dass diese Dienstwagenvergabe, die noch aus den Zeiten des alten Vorstands herrührt, „kritisch durchleuchtet“ wird.

Problematisch ist auch der hohe Krankenstand unter den Beschäftigten bei den Bädern: Zwölf Prozent fehlen im Schnitt, immerhin drei Prozent mehr als in der Berliner Verwaltung, die bereits 100 Prozent über dem Bundesschnitt liegt.

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