ZEICHNUNGEN UND GEMÄLDE Matthias Grünewald : Blicke ins Atelier

Nicola Kuhn

Die Grünewald-Ausstellung in Karlsruhe mit ihrer Dependance im Colmarer Museum d’Unterlinden und dem berühmten Antoniteraltar gehörte zu den Höhepunkten des vergangenen Kunstjahres. Nun kommt sie nach Berlin, wenn auch abgewandelt. Standen in Karlsruhe noch die Gemälde im Mittelpunkt, so sind es nun die Zeichnungen des großen Malers, denn das Kupferstichkabinett bewahrt weltweit den größten Bestand. Den ersten Ausstellungsteil hatten die Berliner mit Leihgaben bereichert, nun reisen umgekehrt aus dem Badischen etwa die beiden Heiligen vom einstmaligen Frankfurter Heller-Altar an. Die plissierten Gewänder der Elisabeth (Foto) und der unbekannten Märtyrerin mit Palmwedel bauschen und bewegen sich, als wären die Frauen nicht gerade in stille Andacht versenkt.

Die Berliner Ausstellung zeigt die Vorstudien, wie sich der neben Dürer und Cranach berühmteste Künstler der deutschen Renaissance seinen Bildthemen näherte. Schritt um Schritt umkreiste er seine Motive, probierte er immer wieder neu Mimik, Physiognomie der Figuren aus, bis sie den passenden Ausdruck, die treffende Gestik besaßen. Die Gegenüberstellung von Zeichnungen und vollendeten Gemälden gleicht einem Blick ins Atelier. Auch hier wird das berühmte Blatt des schreienden Knaben zu sehen sein, in dessen aufgerissenen Mund der Betrachter blickt. Das Berliner Kupferstichkabinett hütet diesen Schatz, denn das Gemälde liegt auf dem Grund der Ostsee. Das schwedische Schiff mit dem geraubten Mainzer Altar ging unter, mit ihm das gemalte Kind. Erhalten blieb die Zeichnung, bereits ein Meisterwerk. Nicola Kuhn

Kupferstichkabinett, Do 13. 3. bis So 1.6., 6 €, erm. 3 €

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