ZEICHNUNGEN„I bought the Brooklyn Bridge“ : Grenzen auf Papier

Eva Kalwa

Nach Hegel braucht das Ich die Grenze zum Gegenstand, weil es sich selbst nur über dessen Abstoßung begreifen kann. Auch die Linien einer Zeichnung sind Grenzen, sie schaffen in Hegels Terminologie „ein Etwas“ und „ein Anderes“. Welch vielgestaltige Konturen die Aneignung von Welt durch die Hand eines Zeichners annehmen kann, zeigt die Ausstellung I bought the Brooklyn Bridge“ der Graphischen Gesellschaft zu Berlin im Kupferstichkabinett. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Gesellschaft, die sich der Förderung der Sammlung des Kabinetts verschrieben hat, werden über 80 Zeichnungen und druckgrafische Werke von 27 Künstlern gezeigt. Die älteste Zeichnung ist ein Aquarell Arnold Topps von 1917, die jüngste Arbeit eine fotografiebasierte Zeichnungsserie von Marcel von Eeden aus dem Jahr 2006.

Dazwischen finden sich Werke von Gert & Uwe Tobias, Arthur Köpcke (Abb.), Dieter Roth sowie Raymond Pettibon, dessen „Plots on Loan I“ von 2000 der Ausstellungstitel entnommen ist. Dass die Grenzen zwischen Zeichnung und Malerei fließend sind, zeigen die farbigen Papiercollagen Imi Knoebels. Auch Franz Ackermann schafft mit seinen „mental maps“ urbane Assoziationen aus Farbe und Form. Und die Bildhauerzeichnungen von Jannis Kounellis, John Newmann und Monika Brandmeier loten den Raum zwischen Entwurf und Autonomie aus. Bei den druckgrafischen Projekten markieren ein Holzschnitt von Hans Sebald Beham sowie Radierungen von Damien Hirst die Jahre 1543 und 2002 als Eckpunkte reproduktiver Verfahren, die teils eigenständige Bildschöpfungen schufen.Eva Kalwa

Kupferstichkabinett, Di 11.3. bis So 8.6.,

Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr, 6 €, erm. 3 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben