Zeitung Heute : Zeigt her eure Farben

Mit knalligen Tönen und neuen Technologien setzt das Stoff- und Teppichunternehmen JAB Anstoetz auf die Sinne

Nora Sobich

Ein Raum ohne Stoff ist nur ein nackter Raum. Erst Vorhänge, Teppiche, Stuhl- oder Sofabezüge geben ihm Gestalt und Gesicht, zaubern Atmosphären, sorgen für Stimmung, Wärme und Gemütlichkeit. Dekorationsstoffe sind die unverzichtbaren Basics jedes Interieurs und weil sie so grundlegend und prägend für Einrichtung und Ambiente sind, gibt es sie in allen erdenklichen Ausführungen und Kombinationen, für jeden Geschmack, jede Preisklasse, jede Laune und Modeerscheinung.

20 000 Farbkombinationen

Eines von Deutschlands führenden Stoff- und Teppichunternehmen ist die 1946 von Josef Anstoetz in der Leinenweberstadt Bielefeld gegründete Firma JAB Anstoetz. Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist das Familienunternehmen, das inzwischen in dritter Generation von den drei Enkeln des Firmengründers geleitet wird, zu einer international agierenden Holding mit über 1400 Beschäftigten angewachsen. Neben den JAB-Anstoetz Stoff- und Teppich-Kollektionen und den Bielefelder Werkstätten gehören zu dem Unternehmensverband noch die Tochterunternehmen Stroheim & Romann, Club Creation Niemann, Chivasso sowie Carpet Concept. Allein die JAB-Stoffkollektion umfasst 3000 Artikel in 20 000 Farbkombinationen.

Schöne Stoffe wollen nicht nur verarbeitet und besessen, sondern auch betrachtet und angefasst werden. Den Eindruck bekommt man, wenn man den von Ralph Anstoetz im vergangenen Jahr herausgegebenen Bildband „Vom Zauber edler Stoffe“ durchblättert. Es geht dem Firmenjunior da weniger um praktische Einrichtungsideen als um „Wahrnehmungsdimensionen“ und Gefühlswelten, die sich mit Dekorationsstoffen inszenieren lassen.

Verliebt in Licht

„Je nachdem in welchem Zusammenhang sie (die Stoffe, d.Red.) erscheinen, welches Licht auf ihre Oberfläche trifft, wie sie liegen oder fallen, ob man sie von nah oder fern betrachtet, geben sie ein anderes Bild ab“, schreibt Ralph Anstoetz enthusiastisch im Vorwort des Prachtbandes und vergleicht die „visuelle Kraft“ von Perlen bestickter Seiden, schillernden Taftgeweben, schweren Samtstoffen oder modernen Hightech-Materialien mit der eines Kunstwerks.

Das wahre Dekorations-Leben in der alltäglichen Anwendung ist vielleicht profaner, aber nicht weniger stilvoll. „Eines ist klar“, bemerkt dazu Ulrich Elsner, Leiter der Firmenniederlassung von JAB Anstoetz in Berlin, zum Stofftrend der Herbst-Kollektionen: „Es wird wertiger und es wird wieder luxuriöser.“

„Stoffe für Wohn(t)räume“ heißt das Motto, mit dem JAB-Anstoetz verführen will. Das geschieht über Stoffe mit zum Teil sehr exotisch und futuristisch anmutenden Strukturen und mit saftigen Farben, was wiederum neuen Technologien zu verdanken ist. Hightech hat auch hier längst Einzug gehalten. Selbst der etwas in die Jahre gekommene Landhausstil zeigt sich in neuem Licht – nobel und bunt. Das reicht von frischen Frühlingstönen in Gelb, Türkis, oder Kiwi und geht in neue Töne wie Himbeerrot, Jeansblau oder Moosgrün. Ein Liebling sind die leuchtenden Taftgewebe aus hochwertigem Kunststoff, die von JAB Anstoetz in 153 Farbnuancen angeboten werden. Ganz oben in der Farbskala steht rot, die wärmste aller Farben.

Die Lust auf Farbe zeigt sich auch in der aktuellen „Chivasso“-Kollektion, die unter der Überschrift „Temptation“ steht. Hier geht es um die Kombinierbarkeit von neun kräftigen Tönen mit einem so genannten naturfarbenen Fonds. Sehr interessant ist der „Parachute toile“. Dieser Stoff aus 100 Prozent Polyester fühlt sich beim ersten Berühren so leicht wie ein Duschvorhang an und weckt unwillkürlich Assoziationen ans schwerelose Schweben. Das waschbare, absolut pflegeleichte Material, das mit seiner glänzend abweisenden Oberfläche sehr elegant wirkt, bringt Farben gut zur Geltung.

Comeback des Breitcord

Ein Kontrastprogramm zu diesem Sortiment ist der ins Barocke gehende Velours „Optimiste“, der mit der so genannten Ausbrenntechnik bearbeitet wurde und ein zweifarbiges gediegen florales Muster zeigt. Der dem noch stets populären Retrotrend verpflichtete Breitcord „The Boss“ eignet sich sowohl als Polster- als auch als Gardinenstoff und macht sich mit seiner breiten Rippe bestens in modischen Knallfarben wie Orange oder Türkis.

Die JAB Anstoetz Tochtergesellschaft „Club Creation Niemann“ setzt in dieser Saison unter anderem mit dem Motto „Gardens“ auf liebliche und verspielte Blütenträume. Mit den süßlich ländlichen Dessins lässt sich von der Gardine über Polsterstoffe bis zur Tapete die gesamte „Wohnkultur aus einem Guss“ zaubern.

Besonders beliebt sind hier Tapetenmotive mit Früchten wie Limonen, Limetten und Erdbeeren oder mit Gemüsesorten wie Bohnen, Erbsen oder putzigen Salatköpfen. Mit diesen weich hingetuschten Gartenidyllen kommt ein Hauch von heiler Welt in die großstädtische Wohnung und lenkt von den Problemen des Alltags ab. Ganz anders und deutlich gestylter wirken dagegen die Teflon beschichten Glanztapeten, die mondäner und futuristischer erscheinen.

Die Entwicklung der Dekorationsstoffe geht zurzeit deutlich in den Hightechbereich. Neue technische Möglichkeiten eröffnen den Designern ganz neue Dimensionen textilen Gestaltens und damit neue Märkte. Da werden Folien derart verarbeitet, dass Stoffe entstehen, die wie Aluminium-Bleche oder Netze aussehen. Diese Zukunfts-Optik verträgt natürlich keine Farben. Der Minimal Look mag es puristisch und sachlich zurückhaltend.

Wie zur Zeit in der Mode erlebt also auch bei den Dekorationstextilien das strenge, klare Schwarz-weiß ein Revival – vor allem bei den voluminösen Polstermöbeln. Die Kollektion „Black & White“ hat das Bielefelder Unternehmen dann auch auf 83 Artikel erweitert. Ob aus Chenille, Bouclé, Mohair oder hochglänzendem Effektgarn – neben der neuen Farbenpracht, die vielleicht nicht jedermanns Sache ist, beleben vor allem klassische Kontraste die Sinne und Räume.

JAB Anstoetz in Berlin. Nollendorfplatz 3-4. Tel. 235 57 50.

Axel Venn und Raymund Heller: Vom Zauber edler Stoffe. Hrsg.: Ralph Anstoetz. Dumont-Verlag, Köln 2002. 204 Seiten. 55 €.

Weiteres im Internet:

www.jab.de

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