Zeitung Heute : Zeigt her eure Finger

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Was wird heute wichtig?

Neue Einreisebestimmungen. Die Prozedur geht schnell. Foto und Fingerabdruck dauern nur wenige Sekunden. Ab diesem Donnerstag müssen sich nun auch Deutsche – und Angehörige von 26 anderen Ländern, die bislang von der Visumspflicht ausgenommen waren – bei der Einreise in die USA erkennungsdienstlich erfassen lassen. Außerdem müssen sie einen maschinenlesbaren Reisepass haben. Das ist in der Regel der bordeauxfarbene Europapass. Er muss noch mindestens sechs Monate nach der Ausreise gültig sein. Neu ist ebenfalls, dass auch Babys und Kinder einen solchen eigenen maschinenlesbaren Reisepass benötigen. Es reicht nicht mehr aus, in den Reisepass der Eltern eingetragen zu sein. Wer keinen maschinenlesbaren Reisepass hat, braucht ein Visum . Das zu beantragen, ist meist recht langwierig. Im Durchschnitt dauert das Verfahren zwischen zwei und sechs Wochen. Ein sofort benötigtes Tagesvisum gibt es nicht. Der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten darf nicht länger als neunzig Tage dauern, der Reisende muss im Besitz eines bestätigten Rück oder Weiterreisetickets sein. Eine E-Ticket-Quittung genügt. Die Visumspflicht besteht auch weiterhin für all jene, die in den USA arbeiten möchten (dazu gehört auch eine Tätigkeit als Au-Pair-Kraft oder Praktikant), länger als neunzig Tage bleiben wollen oder an einem Schul- oder einem Universitätsaustauschprogramm teilnehmen. Von den neuen Regelungen sind pro Jahr etwa 13 Millionen Reisende betroffen. Die digitalen Daten werden gespeichert und mit Listen verglichen, auf denen Verbrecher und mutmaßliche Terroristen stehen. Sie stehen insbesondere der Heimatschutzbehörde zur Verfügung. Bereits seit dem 5. März 2003 sind sämtliche Fluggesellschaften, die die Vereinigten Staaten anfliegen, gesetzlich dazu verplichtet, an die US-Grenzschutzbehörden alle vorhandenen Passagierdaten zu übermitteln. Ob die neuen Bestimmungen dem Tourismus schaden, der Wirtschaft oder Wissenschaft, lässt sich noch nicht absehen. Auf die amerikanischen Konsulate in vielen europäischen Ländern kommt jetzt jedenfalls erheblich mehr Arbeit zu. Die Meinungen über den Nutzen der schärferen Einreisebestimmungen sind geteilt. Die Befürworter versprechen sich einen abschreckenden Effekt. Die Gegner monieren, dass der Aufwand im Vergleich zum Nutzen zu groß sei. Kein Terrorist werde auf diese Weise geschnappt. Wer ungehindert einreisen wolle, könne das auf dem Landweg über Kanada und Mexiko tun. Datenschützer wiederum befürchten, dass die gespeicherten Daten nicht ausreichend vor Missbrauch gefeit sind. Tsp

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