Zeitung Heute : Zeit für Spekulationen

Wie eine Nachricht entstand, an der kaum etwas dran war

Ursula Knapp[Karlsruhe]

Am Ende blieben von der Terrorspur nur noch Spuren übrig. Denn Meldungen, wonach die Anschläge von Madrid in Deutschland geplant und vorbereitet wurden, dementierte Generalbundesanwalt Kay Nehm am Freitag. „Nach den bisherigen Ermittlungen kann eine Planung und Vorbereitung der Anschläge von Madrid von Deutschland aus nicht bestätigt werden“, hieß es in einer dürren 14-Zeilen-Meldung des Generalbundesanwalts.

Der 28-jährige Marokkaner, der in Spanien unter Terrorverdacht festgenommen wurde, ist danach tatsächlich seit Herbst 2003 in Darmstadt polizeilich gemeldet. Er soll sich „aber lediglich einige Tage“ in Deutschland aufgehalten haben. Dass er in Deutschland Elektrotechnik studierte, dafür gibt es bislang keine Bestätigung. Allerdings hat die Bundesanwaltschaft aufgrund von Hinweisen der spanischen Ermittler am Donnerstag ein Verfahren wegen des „Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung“ eingeleitet.

Bestätigt wurde, dass die Wohnung in Darmstadt, in der der Marokkaner gemeldet ist, am Donnerstagabend durchsucht wurde. Die beschlagnahmten Gegenstände würden noch ausgewertet, hieß es weiter. Um welche Gegenstände es sich handelt, wurde nicht mitgeteilt. Hätte man brisantes Material oder gar Sprengstoffvorrichtungen gefunden, wäre das aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits bekannt gegeben worden.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Freitag über Stunden keinerlei Auskünfte erteilt und damit Medienvertreter schwer verärgert. Denn so blieb über einen halben Tag unklar, ob die am Donnerstagabend gestreuten Informationen glaubhaft sind, wonach eine Spur der Terroranschläge von Madrid nach Deutschland führt.

Völlig undurchschaubar ist die Rolle des Bundesjustizministeriums in Berlin. Die Presseerklärungen des Generalbundesanwalts müssen nämlich vom Justizministerium genehmigt werden, bevor sie veröffentlicht werden können. Die Mitteilung war offenbar längst fertig, wurde aber von Berlin nicht freigegeben. Während dieser Zeit gab es teilweise abenteuerliche Spekulationen, ob Deutschland Terroristen als Rückzugsland dient und von hier aus Anschläge geplant werden.

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