Zeitung Heute : Zeitdruck in die richtige Richtung

Der Tagesspiegel

Der neue Präsident der Bundesanstalt für Arbeit Florian Gerster schlägt vor, das Arbeitslosengeld degressiv zu staffeln, es also immer weniger werden zu lassen, je länger es gezahlt wird. Er hat Recht. Alle, die jetzt Alarm schreien und fürchten, dass die Arbeitslosen wieder einmal zu Opfern gemacht werden, sollten sich ihren Protest gut überlegen. Denn Gersters Vorschläge werden vermutlich kaum dazu führen, dass ein Arbeitsloser insgesamt weniger Geld bekommen kann. Schließlich könnte am Anfang mehr bezahlt werden, findet Gerster. Sein Plan würde aber dazu führen, dass Arbeitslose schneller wieder einen Job bekommen. Denn das deutsche System suggeriert im Augenblick jedem, der seine Stelle verloren hat, dass er viel Zeit hat, eine neue zu finden. Das verleitet viele Arbeitslose, Chancen verstreichen lassen – weil sie glauben, auf einen besser bezahlten Job warten zu können. Das jedoch geht nur selten auf. Je länger ein Arbeitsloser keine Stelle bekommt, desto dramatischer sinken seine Aussichten, überhaupt wieder beschäftigt zu werden. Deshalb wäre es gut, wenn jeder schnell merkte, was in der Theorie alle wissen: dass es sich nicht lohnen kann, arbeitslos zu bleiben. Insofern ist Gersters Degression ziemlich progressiv. uwe

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